Sprache:

Home » Referent:innen » Carolin Knüpper

Carolin Knüpper

© LKJ Baden-Württemberg

Susanne Rehm ist seit 2015 Geschäftsführerin der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (LKJ) Baden-Württemberg. Diese setzt Programme und Projekte der kulturellen und mediengestützten Jugendbildung um und ist landesweiter Dachverband und Interessenvertretung der kulturellen Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Bevor sie Geschäftsführerin der LKJ Baden-Württemberg wurde, leitete Rehm das Landesbüro „Kulturagenten für kreative Schulen“ in Baden-Württemberg. Hier konnte sie ihre vielfältigen Erfahrungen nutzen, die sie als freiberufliche Theaterpädagogin, Regisseurin und Kulturmanagerin zuvor gesammelt hatte. Ihr Studium der Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften, Kunstgeschichte und Anglistik absolvierte sie in Bochum und Dublin.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Als Geschäftsführung der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung vertrete ich das gesamte Feld der außerschulischen Kulturellen Bildung in Baden-Württemberg gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit. Um diese Aufgabe gut erfüllen zu können, ist es mir besonders wichtig, im engen Austausch mit verschiedensten Akteur:innengruppen aus dem Feld zu sein. Darüber hinaus ist es mir ein Anliegen, die fachliche Weiterentwicklung der Kulturellen Bildung voranzutreiben. Dafür entwickele ich mit meinem Team für die LKJ immer wieder modellhafte Projekte und Programme zu den jeweils aktuellen Themen und Herausforderungen der Kulturellen Bildung. Last but not least informieren wir die Akteur:innen der Kulturellen Bildung über aktuelle Entwicklungen.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Künstler:innen sind wichtige Akteur:innen der Kulturellen Bildung. Mit dem Zertifikatskurs erhalten Sie Know-how, wie sie ihre künstlerische Arbeit noch besser in der kulturellen Bildungslandschaft einbringen können. Darüber hinaus setzen sich die Teilnehmenden mit Fragestellungen, die über ihr eigentliches Handlungsfeld hinausgehen, auseinander, um z. B. in Kooperationen oder mit digitalen Tools Angebote der Kulturellen Bildung zu entwickeln und langfristig aufzugleisen. Dies ist eine wichtige Erweiterung der Handlungskompetenzen von Künstler:innen. So können langfristig auch neue Zielgruppen für kulturelle Bildungsprojekte erreicht werden.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Um flächendeckend Zugänge zu und Teilhabe an kulturellen Bildungsangeboten für alle Kinder und Jugendlichen zu ermöglichen, spielen die Schulen eine zentrale Rolle. Hier können sich Künstler:innen in Kooperationen mit ihren spezifischen Qualitäten einbringen. Dies gelingt besonders gut dort, wo Schulen sich konzeptionell so aufgestellt haben, dass diese Angebote Teil ihres jeweiligen Curriculums sind. Die bildungs- und kulturpolitische Verantwortung dafür liegt bei den Bundesländern. Leider sind die Rahmenbedingungen hier noch immer sehr unterschiedlich. Langfristig gilt es also, die Kooperationen von Schulen mit außerschulischen Bildungspartner:innen zu stärken und die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen entsprechend zu gestalten.

 

Susanne Rehm bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Susanne Rehm beteiligt sich im Rahmen des Zertifikatskurses als Referentin im Modul 3: „Strategien und Praxisformate der Kunst- und Kulturvermittlung“. Bei Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de.

Vom 05.11.2021 bis zum 07.11.2021 fand das zweite Modul von „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. Für die 33 Teilnehmenden gab es Inputs zu verschiedenen Diskursen, wie man Vermittlungsarbeit gestalten kann. Zu den Themen Diversität, Vermittlung in der Schule sowie Prozesshaftigkeit von künstlerischer Arbeit wurden in Wolfenbüttel Diskussionen angeregt.

An dem Wochenende besuchten auch unsere wunderbaren Referent:innen die Bundesakademie in Wolfenbüttel, um den Stipendiat:innen spannende Impulse zum Thema Theorien und Diskurse in der Kulturellen Bildung zu vermitteln. 

Moderiert wurde das Modul von Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss. Sie studierte Pädagogik, Theater- und Medienwissenschaften, Italoromanistik und Philosophie. Nach einer Juniorprofessur Kulturelle Bildung am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim ist sie seit 2012 Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel und lehrt als Professorin für Kulturelle Bildung weiterhin in Hildesheim. Vanessa-Isabelle Reinwand.Weiss führte durch das dichte Programm. So gab es beispielsweise einen Input zum Thema Künstler:innen in der Bildung – theoretische Ansätze und empirische Studien von Prof. Dr. Frank Jebe. Zu verschiedenen Aspekte der Diversität in der Kulturellen Bildungsarbeit referierten Nora Amin, Dr. Özlem Canyürek und  Nhu Y Linda Nguyen. Eine Besonderheit von Modul 2 war am Sonntag (07.11.) ein Einstieg in das Modul „Train the Trainer“ mit Birgitta Heller-Mevißen und Saskia Köhler.

Ein Übersicht zu allen bisherigen Referent:innen findet sich hier.

Vom 05.11.2021 bis zum 07.11.2021 fand das zweite Modul von „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. Für die 33 Teilnehmenden gab es Inputs zu verschiedenen Diskursen, wie man Vermittlungsarbeit gestalten kann. Zu den Themen Diversität, Vermittlung in der Schule sowie Prozesshaftigkeit von künstlerischer Arbeit wurden in Wolfenbüttel Diskussionen angeregt.

Victoria Tomaschko

Verschiedene Perspektiven wurden eröffnet, um sie vor Ort verknüpfen oder auch abgrenzen zu können. Eine Besonderheit von Modul 2 war am Sonntag (07.11.) ein Einstieg in das Modul „Train the Trainer“. Das Vertiefungsmodul bietet die Möglichkeit, die im Rahmen des Zertifikatskurs erworbenen Kompetenzen selbst als Dozent:innen und Anleiter:innen weitergeben zu können.

Ein besonderes Anliegen von Modul 2 war es dabei, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, ihre künstlerisch-vermittelnde Tätigkeit auf aktuelle Theorien und Diskurse zu übertragen. Welche theoretischen Ansätze und Diskurse sind prägend und inspirierend für künstlerisches Arbeiten in der Kulturellen Bildung? Wie viel Partizipation ist möglich in der künstlerischen Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen? Auf welche Weise können künstlerische Projekte dazu beitragen, für nachhaltiges Handeln zu mobilisieren?

Das sind nur einige der Fragen, über die in Modul 2 diskutiert worden sind. Die Referent:innen von Modul 2 können Sie hier kennenlernen.

Victoria Tomaschko

© Falk Weiß

Ellen Kobe lebt als Künstlerin und Kuratorin in Berlin und Potsdam. Nach dem Studium an der Weißensee Kunsthochschule Berlin nahm sie eine Studienresidenz der Villa Arson in Nizza wahr, erhielt ein DAAD Stipendium und beendete das Studium der Bildenden Kunst mit dem Diplom in Marseille, Frankreich. Ihr Fokus liegt auf Interventionen im öffentlichen Raum, Performances/Videos zur Institutionskritik zum Betriebssystem Kunst und zur Kultur des Abwesenden. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie dazu einen eigenständigen Ansatz entwickelt, der Performance vom Abwesenden her denkt und vom Begriff der „Fehlstelle“ ausgeht. Ihr Interesse liegt in der Dekonstruktion gesellschaftlicher Rituale, insbesondere im Museum. Mit Performances greift sie in bestehende Strukturen ein, nutzt bereits existierende Räume, Materialien und Objekte und initiiert dadurch Perspektivwechsel durch minimale Umdeutungen.

www.ellenkobe.de

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Als Bildende Künstlerin arbeite ich zum Thema Geschichtsrezeption und realisiere Interventionen und Performances an historischen Orten. Mit dem kritischen Blick auf die museale Behauptung von Deutungshoheiten in Historie und Gegenwart entwickle ich Performances auf dem Grat zwischen Realität und Fiktion, wobei ich mich mit meiner Biografie in eine „Raumerzählung“ einschreibe.

In den jüngsten Performances hat sich die Frage nach der Identität im Spannungsfeld des aktuellen, gesellschaftlichen Diskurses um Fake Identities zu einer neuen Werkreihe konstituiert. Als fiktive Nachfahrin ist die Bezogenheit meiner Person zu einer Person der Geschichte verwandt mit der Beziehung von Sein und Zeit. In der Kühnheit dieser Behauptung offenbart sich den Betrachtenden exemplarisch auch ihre Bezogenheit zur Geschichte. Die Anwesenheit des Abwesenden findet dabei neue Sichtbarkeit, die mit verschiedenen künstlerischen Formaten die Aktualität der Vergangenheit zu hinterfragen erlaubt.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Ich begreife künstlerische Interventionen als Handlungsmacht, um in konkrete räumliche, soziale und politische Strukturen einzugreifen. Raumstrategie fasse ich im Beuys´schen Sinne auf, als Handlungsmacht im sozialen Raum. Es geht darum, die tieferen Zusammenhänge zu ergründen, von der aktuell beleuchteten Tangente der Frauen- und Flüchtlingspolitik zum Kern vorzustoßen und diese vor Ort zu verhandeln, also die Macht- und Gewaltverhältnisse, die deutsche Geschichte und zuvorderst: die Kapitalströme.

Der Pilotkurs fragt nach den Signaturen des neuen Zeitalters, verknüpft Erkenntnisse aus Arbeitswelt, Politik, Wirtschaft und Kulturgeschichte, um der gefühlten Überforderung dieser Gegenwart zu begegnen.

 

Ellen Kobe bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Ellen Kobe beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Künstlerin mit einer Performance in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Bei Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de.

© Jonas Dokarzek

Nhu Y Linda Nguyen is currently a Master Scholar under Parastou Forouhar. She previously studied visual arts at the Kunsthochschule Mainz and philosophy and education science at Johannes Gutenberg University Mainz. In 2019, she was involved in the project “Curriculum für eine diskriminierungskritische Praxis an der Schnittstelle Kunst/Bildung” (a curriculum for discrimination-critical practice at the interface between art and education) as a student assistant. Since 2020, she has been working as an academic assistant at the Chair of Art Didactics at Kunsthochschule Mainz. Her artistic and academic projects are devoted to inter-/transdisciplinary approaches between the fields of art (communication) and philosophy. She intertwines academic approaches such as post-migratory identity, hybridity, decoloniality, post-colonial and feminist theory in her artistic activities, which are aimed at visualising the invisible. In this context, from an intersectional perspective, she examines how structures of dominance create these invisibilities and analyses the narrative moments inherent in this field of tension.

 

 

 

© privat

Stefan Bast teaches art didactics at Kunsthochschule Mainz. As an academic assistant* he does research in the project “Curriculum für eine diskriminierungskritische Praxis an der Schnittstelle Bildung/Kunst” (a curriculum for discrimination-critical practice at the interface between art and education). His doctoral thesis examines discourses on power and rule in the field of art pedagogics from a discrimination-critical angle. From 2015 to 2020, Bast taught the subjects of visual arts and German at the Melanchthon-Gymnasium (higher secondary school) in Berlin Marzahn-Hellersdorf and acted as a counselling teacher for sexual and gender diversity. He headed the workshop for experimental photography at the Youth Art School of the Marzahn-Hellersdorf District in Berlin as a seconded teacher from 2017 to 2019. Prior to his work as a teacher at the institution school, he had been an art assistant in the field of theory and practice of visual communication at Kunsthochschule Kassel from 2014 to 2015 and, in addition, had been active in extra-school art communication from 2012 to 2015. In his art pedagogics activities, he is particularly interested in artistic and action-oriented access to art, design, fashion, architecture and popular culture. In addition, he is a member of the TOYTOYTOY collective, an interdisciplinary platform for gender policies and college students at the Graduiertenkolleg “Educational Processes in Discrimination-Critical University Teaching” at Johannes Gutenberg University Mainz.

 

What potentials do you see in the certificate course “Artistic Interventions in Cultural Education” for your specialist field?

The certificate course “Artistic Interventions in Cultural Education” provides a space in which artists and cultural workers can network, communicate and discuss and practise discrimination-critical perspectives. Spaces like these offer opportunities to intervene, to unlearn inequality relationships and to reflect one’s own social positioning. In addition, communication can be empowering in such learning environments. For workers at the interface of art/education gaining intersectional discrimination experience, perspectives and practices of self-empowerment thus open up which can be taken up in the field of Cultural Education.

 

Which changes are needed at cultural policy or education policy level to strengthen the potentials of cooperation with artists for Cultural Education in Germany?

In school environments, Cultural Education and other education work situations, as well as in the arts, it is not only representatives of the social norm who are present: white, communicating via the language of the majority, bourgeois, fit enough to master the physical and workload standards, cis-male or female, heterosexual, well provided for. On the contrary, these spaces are heterogeneous in their social composition. We therefore design our teaching, our research and hence also our handling of each other in a consistently discrimination-critical manner. Inclusive and exclusive mechanisms in education and in the arts are continuously focused on and also reflected upon with regard to one’s own teaching.

In our opinion, what is needed in order to strengthen the potentials of working with artists for Cultural Education is a willingness at cultural and education policy level to undergo change towards discrimination-critical practice. Curricula, methods and structures have to be consistently questioned and reflected, and spaces have to develop which enable good teaching and learning experience for all, and in which in particular minority knowledge is also addressed. This calls for education workers at the interface between education and art who are correspondingly sensitised and are willing to practise this perspective.

 

Nhu Y Linda Nguyen & Stefan Bast at “Artistic Interventions in Cultural Education”

Nhu Y Linda Nguyen & Stefan Bast are taking part in the course framework as a lecturer in Module 2: “Theoretical concepts and discourses”. If you have any queries or are interested in cooperating, you are welcome to contact zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

Vom 24.09.-26.09.2021 fand das erste Modul von „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. 33 Teilnehmende sowie sechs Referent:innen und eine Künstlerin gestalteten die drei Tage mit Inputs, Workshops, ästhetischen Vermittungsformaten und künstlerischen Impulsen. Auf unserer Homepage geben wir drei Perspektiven rückblickend auf das Wochenende.

Nicht das Team, sondern auch die Teilnehmenden konnten sich auf den spannenden Austausch miteinander beim ersten Kennenlernen freuen. Aus den Sparten Bildende Kunst, Interdisziplinäres, Literatur, Musik, Theater und Tanz nehmen 33 Stipendiat:innen mit den verschiedensten Hintergründen und Biografien teil, die nicht nur von unserem Kurs, sondern auch von den unterschiedlichen Expertisen der jeweils Anderen profitieren können. Wer unsere Teilnehmenden noch nicht kennt, kommt unter diesem Link zu den Stipendiat:innen des Zertifikatskurses “Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung”.

© Victoria Tomaschko

 

© privat

Nora Amin wohnt seit 2015 in Berlin und arbeitet dort als Mentorin am Performing Arts Programm (PAP) Berlin des Landesverbands freie darstellende Künste Berlin e. V. (LAFT) und bei Flausen+Bundesnetzwerk. Sie ist Expertin in den Bereichen Theater der Unterdrückten, kritische Pädagogik und Tanz/Performance. Darüber hinaus ist sie Autorin, Performerin, Choreografin und Theaterdirektorin. Amin gründete das landesweite „Egyptian Project for Theatre of the Oppressed“ und dessen arabisches Netzwerk. Außerdem ist sie Gründerin und künstlerische Leiterin der „Lamusica Independent Theatre Group“, an der sie 40 Präsentationen von Tanz, Theater und Musik produzierte. Sie ist derzeit Mitglied des Steuerungsteams des künftigen „Dance Mediation Centre“ in Berlin und Vorstandsmitglied des „German Centre of the International Theatre Institute“. Ihre neueste Produktion ist „Tanz Der Verfolgten“ (MSB Matthes & Seitz Berlin, 2021) – ein Versuch, die Geschichte des Baladi-Tanzes aus einer feministischen Perspektive zu entkolonisieren, bei dem der Patriarchalismus mit dem Kapitalismus und Rassismus in Verbindung gebracht wird.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Im kritischen Diskurs im Allgemeinen, genauer gesagt, in Verbindung mit Tanz und den darstellenden Künsten. Ich arbeite mit den Theorien der kritischen Pädagogik und der „Pädagogik der Unterdrückten“ und greife auch die Kritik des Rassismus und die feministische Sichtweise in der Performance und der Trauma-Heilung auf.

 

Welches Potenzial sehen Sie im Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Spezialgebiet?

Er bietet Möglichkeiten, die marginalisierten Kulturen in der Bildung zu behandeln, sich von einer eurozentristischen Sichtweise zu einer Vision der Gleichstellung, in der alle Formen der Kulturen und kreativen Ausdrucksformen gleichermaßen angesprochen werden können, zu bewegen sowie die unterschiedlichen Zuschauer:innen und Gemeinschaften anzuerkennen, die mit ihrer jeweiligen Geschichte und ihren Erfahrungen in allen Formen Kultureller Bildung vertreten sein müssen, um gleichgestellte Partner:innen zu sein.

 

Welche Veränderungen sind auf kulturpolitischer oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um das Potenzial der Zusammenarbeit mit Künstler:innen in der Kulturellen Bildung in Deutschland zu erhöhen?

Wir brauchen eine Kulturpolitik, die nicht nur die Diversität anspricht, sondern an sich schon divers ist und aus diversen Perspektiven besteht, die sich eignen, die gegenwärtige Realität der deutschen Gesellschaft neu zu definieren und eine Zukunft der Gleichstellung und Pluralität als Ziel zu haben. Zu diesem Zweck brauchen wir eine neue Pädagogik – und zwar sowohl in der Kulturpolitik als auch in der Bildungspolitik – in der es keinen Eurozentrismus mehr und keine Hierarchie des Wissens oder der Herkunft gibt.

 

Nora Amin bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Nora Amin beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 2: „Theoretische Konzepte und Diskurse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

© privat

Während und nach dem Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität München (M. A.), der New York University, dem Dance Theater Workshop, New York und der Middlesex University London (Ph. D.) hat Dr. Renate Bräuninger als Tanz- und Musikwissenschaftlerin an zahlreichen deutschen und englischen Universitäten unterrichtet, zuletzt als Senior Lecturer sowie Kursleiterin für Dance (B. A.) und Performing Arts (M. A.) an der University of Northampton. Ihre Forschung beschäftigt sich hauptsächlich mit musikalisch-choreografischer Analyse und hier speziell mit den Choreografien George Balanchines und Anne Teresa de Keersmaekers. Darüber hinaus forscht und publiziert sie zu den Themen: Notation, Archivierung und Prozesse der Bedeutungsfindung sowie künstlerisch-wissenschaftlicher Forschung (Practice as Research) in deutscher und englischer Sprache.

 

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf der Erforschung möglicher Beziehungen zwischen Musik und bewegtem Bild in Tanz und Film, hier insbesondere auf der veränderten Wahrnehmung visueller Sinneseindrücke durch akustische Signale. In diesem Kontext habe ich mich intensiv mit Fragen der Notation und Archivierung (hier speziell mit oralen Archivierungsprojekten) sowie theoretischen Modellen der Bedeutungsfindung, von Friedrich Schleiermacher bis hin zu Tristan Garcia, beschäftigt. Ausgangspunkt meiner Auseinandersetzung – in diesem inter- und transdisziplinären Feld – ist nicht so sehr die Betrachtung der künstlerischen Artefakte als solche, sondern das „Handwerkszeug“ sowie die kreativen Prozesse, derer es bedarf, damit eine Aufführung zustande kommen kann.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Mögliche Potenziale des Kurses für mein Fachgebiet sind:

Ein kritisches Hinterfragen der gängigen diskursiven Strategien – sowohl der verschiedenen theoretischen Modelle als auch der praktischen, physischen, handwerklichen Ausübung verschiedener Kunstformen aus der Perspektive der Kunstvermittler:innen.

Eine Brückenbildung zwischen den Positionen der Betrachter:innen, der Macher:innen und der Vermittler:innen, damit die Zuschauer:innen die Möglichkeit erhalten, an den Erfahrungsräumen der Kunstschaffenden stärker teilhaben zu können.

Ein größeres Interesse und Verständnis für das Zusammenspiel verschiedener Kunstschaffender und Medien, die an einer Aufführung mitwirken.

Neue, kulturell diversere Ansätze, die sich aus den Diskussionen mit den Studierenden ergaben.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Während die deutsche Staats -und Stadttheaterlandschaft im europäischen Vergleich ihresgleichen sucht, bedarf es auch darüber hinaus der Kulturförderung. Die ganze Breite der Bevölkerung unterschiedlichster Bildungsgrade und kultureller Herkunft sollte erreicht werden. Es geht zum einen darum, traditionelle Kunstformen wie z. B. Oper, Ballett oder Schauspiel verschiedenen Zuschauergruppen zugänglich zu machen, zum anderen den kulturellen Stellenwert dieser Formen in einer diversen multikulturellen Gesellschaft zu hinterfragen. Welche Formen und Inhalte würden die kulturellen Diskurse in einem künstlerischen Raum adäquater abbilden, wie könnten Mischformen entstehen? Dieses Ziel ist nicht automatisch erreicht, wenn Inhalte vereinfacht dargestellt werden und sie Elemente verschiedener Kulturen enthalten.

 

Renate Bräuninger bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Renate Bräuninger beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 2: „Theoretische Konzepte und Diskurse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

Vom 24.09.-26.09.2021 fand das erste Modul von „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. 33 Teilnehmende sowie sechs Referent:innen und eine Künstlerin gestalteten die drei Tage mit Inputs, Workshops, ästhetischen Vermittungsformaten und künstlerischen Impulsen. Auf unserer Homepage geben wir drei Perspektiven rückblickend auf das Wochenende.

Den Mittelpunkt des Wochenendes bildete dabei die Performance FESTMAHL! von Ellen Kobe, die im Schloss Museum Wolfenbüttel inszeniert wurde. Das historische Gebäude diente lange den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg als Residenz. Heute zeichnet sich das Schloss Museum Wolfenbüttel durch die original erhaltenen barocken Räumlichkeiten aus, die noch heute vom Glanz und Pracht des höfischen Lebens zeugen. Während des FESTMAHLS! von Ellen Kobe in Zusammenarbeit mit dem Koch Christoph Pemmann und seinem Team, das im Festsaal des Schlosses umringt von originalen Exponaten stattfand, wurden die historischen Räumlichkeiten mit ihren Geschichten und Erzählungen verlebendigt.

Alte Kerzenständer, wertvolles Porzellan und andere Artefakte der Sammlung stimmten ein zur barocken, festlichen Atmosphäre des Abends. Durch das Prinzip des Tromp- l‘oeil gelang ein Verwirrspiel des Sehens und Begreifens. Die Geschichte der Verwandschaft Ellen Kobes mit der preussischen Königin Elisabeth Christine wurde durch die historischen Artefakte, die als “Beweisstücke” dienten, so glaubhaft gemacht, dass die Frage im Raum blieb: Wo treffen historische Erzählung und Erfindung aufeinander? Die Teilnehmenden mussten sich immer wieder fragen: Was ist hier eigentlich echt?

Mit einer Choreografie des Speisens, die nach dem Regelwerk barocker Tafelkultur inszeniert wurde, gelang es, das FESTMAHL! zu einem Ort des Austauschs und der Begegnung der Stipendiat:innen zu machen. „Meine Identität als Performerin wurde korrekt im Programm annonciert, schimmerte durch die Perspektive der Handlung und Rede und blieb schwebend zwischen Realität und Fiktion.“ (Ellen Kobe)

 

 

Vom 24.09.-26.09.2021 fand das erste Modul von „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel statt. 33 Teilnehmende sowie sechs Referent:innen und eine Künstlerin gestalteten die drei Tage mit Inputs, Workshops, ästhetischen Vermittungsformaten und künstlerischen Impulsen. Auf unserer Homepage geben wir drei Perspektiven rückblickend auf das Wochenende.

Das Kennenlernen der Stipendiat:innen, Mini-Workshops, Speeddating und ein ästhetisch inszeniertes Festmahl! – vergangenes Wochenende gab es zum Kursstart von “Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung” viele innovative Begegnungsräume – sowohl für die Stipendiat:innen als auch für die Referent:innen – um sich untereinander kennenzulernen und auszutauschen.

Ein besonderes Anliegen von Modul 1 war es dabei, den Teilnehmenden die Möglichkeit zu geben, sich in ihrer künstlerischen Tätigkeit zu positionieren. Was haben große Begriffe wie Kulturelle Bildung, Künstlerische Forschung, Künstlerische Intervention oder Kunst- und Kulturvermittlung eigentlich mit der eigenen Praxis zu tun? Was kann nur Kunst? Und wie definiere ich mich selbst als Akteur:in in diesem Feld? Das sind nur einige der Fragen, über die in Modul 1 diskutiert worden sind. Die Referent:innen von Modul 1 können Sie hier kennenlernen.

© Nico Wefers

Susanne Hesse-Badibanga (*1963) studierte von 1992 bis 1997 freie Kunst/Kunstpädagogik in Kassel. Nach einem Stipendium der Hessischen Kulturstiftung mit Studioaufenthalt in New York arbeitete sie als Kunstvermittlerin auf der documenta 12 in Kassel und leitete den Workshop „Deutsch-Wissen“ in Kooperation mit dem documenta-Beirat. Hesse-Badibanga leitete und konzipierte diverse interkulturelle Integrationsprojekte in Frankfurt am Main sowie das Vermittlungsprojekt „Schulstudio“ des Frankfurter Kunstvereins in Kooperation mit zahlreichen Schulen aus der Region. Sie ist freie Mitarbeiterin an der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main. Darüber hinaus hat sie Lehraufträge an der Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main und an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main am Institut für Kunstpädagogik. Bei der documenta fifteen leitet sie den Bereich Bildung und Vermittlung.

 

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Ich bin sowohl Künstler:in als auch Kunstvermittler:in. Beide Bereiche greifen bei meiner Arbeit ineinander. Meine Aufgabe für die kommende documenta fifteen ist beispielsweise die Konzeption der Walks für Besucher:innen. Die Konzeption und Planung der Walks erfolgt in enger Absprache mit der künstlerischen Leitung, dem indonesischen Künstlerkollektiv ruangrupa, und dem Artistic Team. Ein weiteres Feld meiner Tätigkeit ist die Planung und Organisation der Ausbildung der Guides zur Vorbereitung für deren Arbeit und Begegnung mit den Besucher:innen in der Ausstellung.

Im Austausch mit Universitäten und Schulen aus internationalen Kontexten beschäftigen wir uns mit Fragestellungen zu zeitgenössischen Formaten Kultureller Bildung in transnationalen Räumen. Im Kontext eines aktuellen Curatorial Turn wird Kunstvermittlung neu gedacht und neue Praxisformate werden ausprobiert.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Die Zusammenarbeit mit Künstler:innen in Feldern Kultureller Bildung ist ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein. Künstler:innen haben einen anderen Zugriff auf künstlerische Techniken, Denkweisen und Handlungsstrategien als zum Beispiel Kunstvermittler:innen oder auch Kunstpädagog:innen. Ein unvermittelter Blick im Umgang mit Kunst eröffnet besonders jungen Teilnehmer:innen für sie unbekannte Formen des Verstehens und unerwartete Handlungsmöglichkeiten.

Damit sich die Zusammenarbeit von Künstler:innen und Schule oder einer anderen Institution nachhaltig fruchtbar gestaltet, ist es für die Künstler:innen ebenso hilfreich, Wissen darüber zu haben, wie zum Beispiel eine Institution funktioniert, unter welchen Bedingungen in der Regel Lehre stattfindet oder wie sich normalerweise geläufige Modelle Kultureller Bildung gestalten. Ein sensibler Umgang mit den jeweiligen Bedingungen, Konstellationen und Lernsituationen sind meines Erachtens wichtige Voraussetzung dafür, eine konstruktive (Lern-)Atmosphäre mit einer Gruppe zu gestalten.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Sicherlich braucht es bessere Förderstrukturen für jedwede Zusammenarbeit mit Künstler:innen, die ebenfalls vor und Nachbereitungszeiten finanzieren und möglich machen. Künstler:innen sollten stärker in Lehrzusammenhänge einbezogen werden, besonders für den Kunstunterricht in der Schule.

 

Susanne Hesse-Badibanga bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Susanne Hesse-Badibanga beteiligt sich im Rahmen des Kurses unter anderem als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Zusätzlich begleitet sie interessierte Stipendiat:innen bei der Entwicklung ihrer Praxisprojekte im Rahmen der documenta 15. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Daniel Kunzfeld

Birgit Mandel ist Professorin für Kulturvermittlung und Kulturmanagement sowie Direktorin des Instituts für Kulturpolitik an der Universität Hildesheim. Sie leitet den Masterstudiengang Kulturvermittlung sowie den Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis. Mandel ist Vizepräsidentin der Kulturpolitischen Gesellschaft, Kuratoriumsmitglied der Commerzbank Stiftung, für die sie den Preis „ZukunftsGut“ für institutionelle Kulturvermittlung entwickelt hat, sowie Aufsichtsratsmitglied der Berlin Kulturprojekte GmbH. Außerdem ist sie Gründungsmitglied des Fachverbands für Kulturmanagement und hat den Verband mehrere Jahre als Präsidentin geleitet. Sie hat diverse Forschungsprojekte an der Schnittstelle von Kulturvermittlung, Kultureller Bildung, Audience Development, Kulturmanagement und Kulturpolitik sowie Besucherstudien und Bevölkerungsbefragungen durchgeführt und ist Autorin vieler Publikationen.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Meine Schwerpunkte sind Forschung und Lehre in der Kulturvermittlung an der Schnittstelle von ästhetisch-künstlerischer Praxis, Kunst-/Kulturvermittlung, Kulturelle Bildung, Kulturmanagement und Kulturpolitik.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Die Künste bieten besondere Potenziale für die Kulturelle Bildung, da sie gleichzeitig emotional, ästhetisch und intellektuell ansprechen. Sie ermöglichen in ihrer Zweckfreiheit und ihrem spielerischen Charakter „Probehandeln“ und können utopische Räume formieren: „Alles könnte auch ganz anders sein“. Durch ihre Mehrdeutigkeit und ihren Bedeutungsüberschuss „Es gibt nicht die eine richtige Lösung“ lassen sich in ihnen auch Konflikte und Widersprüche verhandeln. Diese Qualitäten der Künste können in der Verbindung mit Strategien der Vermittlung produktiv werden in verschiedenen gesellschaftlichen Kontexten wie Schule, Jugendarbeit, Stadtentwicklung, politische Arbeit oder auch in Wirtschaftsunternehmen.

Da auch unsere Hildesheimer kulturwissenschaftlichen Studiengänge seit ihrer Gründung 1978 auf das Potenzial der Künste für die Vermittlung im weitesten Sinne setzen, knüpft dieser Zertifikatskurs unmittelbar an unsere Expertise an und entwickelt sie weiter für freie Künstlerinnen und Künstler.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Es gibt bereits viele Förderprogramme auf der Ebene von Bund, Ländern und Kommunen für Künstler:innen in der Kulturellen Bildung, häufig aber in Projektstrukturen. Sinnvoll wäre eine feste Verankerung des Bereichs „Kulturelle Bildung“ in allen allgemeinbildenden Schulen mit kontinuierlichen Verträgen für Künstler:innen. In den öffentlichen Kultureinrichtungen ließe sich – z. B. mit einer Vorgabe für einen festen Anteil an Vermittlungsaufgaben im Budget – der Anteil der Vermittlung erhöhen, was auch kontinuierlichere Tätigkeiten für freie Künstler:innen eröffnen könnte.

 

Birgit Mandel bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Birgit Mandel beteiligt sich im Rahmen des Zertifikatskurses als Referentin im Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“Modul 5: „Kulturmanagement für Kunstschaffende in der Kulturellen Bildung“ sowie im Modul 6: „Kulturinstitutionen als Lernorte“. Des Weiteren hat sie als künstlerische Projektleiterin den Pilotkurs mitkonzipiert und auf den Weg gebracht.

Siehe hierzu: https://kuenstlerische-interventionen.de/team/.

Bei Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

© privat

Dr. Tom Braun ist Professor für Kultur- und Medienpädagogik an der IU Internationale Hochschule. Zuvor war er Geschäftsführer der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) und verantwortete die Konzeption und Durchführung bundesweiter Modell- und Praxisforschungsprojekte sowie Maßnahmen zur bundesweiten Feldentwicklung der kultur- und medienpädagogischen Fachstrukturen. Tom Braun ist Mitglied des Bundesjugendkuratoriums der Bundesregierung, des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) sowie des wissenschaftlichen Beirats der Wissensplattform kubi-online.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Forschungs- und Arbeitsschwerpunkte: Theorie und Praxis der Kulturellen Bildung, kritische Kulturpädagogik, kulturelle Schulentwicklung.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Wenn Praktiker:innen aus Kunst und Kultur an Schulen tätig werden wollen, dann müssen sie in der Lage sein, ihre eigene Fachlichkeit zu entwickeln, reflektieren und zum Bildungsauftrag der Schule und ihrer Akteur:innen ins Verhältnis setzen zu können. Künstlerische Interventionen wirken im Bildungssektor allein dann nachhaltig, wenn sie von reflektierten Praktiker:innen und in Kooperation mit den verantwortlichen Feldakteur:innen geplant und umgesetzt werden. An diesem Anspruch muss sich auch der Zertifikatskurs messen lassen.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Die drängende Aufgabe besteht in einer analog-digitalen Bildungskonzeption, die sich vor allem an den Förder-, Beteiligungs- und Schutzrechten von Kindern und Jugendlichen orientiert. In diesem Sinne gilt es eine kinder- und jugendgerechte Ganztagsbildung umzusetzen. Dies heißt konzeptionell auch, dass das Recht auf vollumfängliche Teilhabe am kulturellen Leben für alle Kinder und Jugendlichen grundlegend berücksichtigt werden muss. Das geht aber nur durch eine verbesserte Zusammenarbeit von einerseits Bund, Ländern und Kommunen sowie andererseits durch förderliche Rahmenbedingungen, die eine multiprofessionelle Zusammenarbeit von schulischen und außerschulischen Akteuren ermöglichen. Alles ist aber nichts, ohne eine bessere Beteiligung der Kinder und Jugendlichen!

 

Tom Braun bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Tom Braun beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referent in Modul 4: „Kulturelle Bildung in schulischen Kontexten“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Thomas Krätzig

Maike Gunsilius ist Professorin für die Ästhetik des Kinder- und Jugendtheaters an der Stiftung Universität Hildesheim. Als Kulturwissenschaftlerin, Dramaturgin und Performance-Macherin hat sie seit 2003 an Theatern u. a. in Basel, Frankfurt am Main, Hamburg sowie in theatralen Stadtprojekten, freien Performances und Schulen gearbeitet. Außerdem hat sie an Hochschulen u. a. in Hamburg und Hildesheim gelehrt. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Dramaturgien des zeitgenössischen und performanceorientierten Kinder- und Jugendtheaters sowie partizipative künstlerische Forschung mit Kindern und Erwachsenen.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Ich untersuche, wie zeitgenössische Formen von Theater und Performance für und mit Kindern und Jugendlichen deren Fragen und Anliegen bearbeiten. Dabei begreife ich das Kinder- und Jugendtheater als eine künstlerische demokratische Praxis, mit der Fragen des Zusammenlebens in einer diversen Gesellschaft für Gegenwart und Zukunft verhandelt werden und in der es deshalb stets darum geht, die Perspektive von Kindern und Jugendlichen und ihre gesellschaftliche Position im Verhältnis zu Erwachsenen neu zu verhandeln.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Ich sehe es als Herausforderung für den Kulturbetrieb und für Bildungsinstitutionen, Fragen gesellschaftlicher Diversität und Transformation in engerer Verbindung mit unterschiedlichen Bürger:innen zu bearbeiten. Das bedeutet für Künstler:innen verstärkt, mit ganz unterschiedlichen Expert:innen des Alltags zusammenzuarbeiten und künstlerische Formen und Arbeitsweisen für sehr heterogene Konstellationen zu entwickeln. Der Zertifikatskurs bietet die Chance, eine dafür notwendige Expertise zu vermitteln.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Zeit und Personal sind die zentralen Ressourcen für die künstlerische Arbeit in sozialen Feldern, um Fragen von Diversität und Teilhabegerechtigkeit in künstlerischen Projekten sowohl strukturell als auch ästhetisch bearbeiten zu können. Das erfordert neue personelle Aufstellungen und zeitliche Abläufe – und eine entsprechend höhere finanzielle Ausstattung.

 

Maike Gunsilius bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Maike Gunsilius beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Stefan Liefländer

Seraphina Lenz studierte Bildhauerei an der Kunstakademie Münster und entwickelt seit 2001 Ausstellungen und Projekte im In- und Ausland. In Berlin betreibt sie mit fünf anderen Künstler:innen den Projektraum oqbo |raum für bild wort und ton. Für ihre künstlerischen Arbeiten erhielt Lenz zahlreiche Preise und Stipendien: 2021 Artist in Residence, P1 mobile Studio, Tenthaus, Norwegen; 2015 ARIO Residency, Odawara, Japan; 2002 bis 2014 erster Preis und Realisierung im Kunstwettbewerb für den Carl-Weder-Park, Berlin.

Von 2019 bis 2020 hatte Lenz einen Lehrauftrag an der Universität der Künste (UDK) Berlin, ebenfalls 2019 war sie als teaching artist an der Hochschule der Künste Bern (HKB) in der Schweiz tätig. Von 2011 bis 2013 arbeitete sie als Dozentin am Institut für Kunst im Kontext an der UDK Berlin. Zuvor war sie im Jahr 2010 als teaching artist an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg tätig und von 2001 bis 2005 arbeitete sie als Künstlerin im  Forschungsprojekt Kulturelle Bildung im Medienzeitalter der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung (BLK). Im Jahr 2000 hatte sie eine Gastdozentur an der Yokohama National University in Japan.

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Meine künstlerische Arbeit hat ihren Ursprung in der Bildhauerei. In den 2000er-Jahren fokussierte sich das Interesse auf die Herstellung von Stadträumen. Die Stadt ist Bühne und Austragungsort gesellschaftlicher Themen. Sie wird zum Forschungsgegenstand und Erfahrungsraum, in dem unterschiedliche Lebenswelten zusammentreffen und in dem historische Dimensionen, Architektur und Konsum auf Wahrnehmung und Verhalten wirken. Es ist mir wichtig, Projekte langfristig anzulegen, um spezifische Formen der Zusammenarbeit mit Anwohner:innen entwickeln zu können. Ein weiterer Schwerpunkt sind verschiedene Lehrtätigkeiten im Kontext von Schule und Hochschule. Es entstehen Übergänge zwischen beiden Bereichen.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Mit dem sich diversifizierenden Kunstfeld verändern sich gleichzeitig Prozesse der Kunstvermittlung und Definitionen der Kulturellen Bildung. Es fliegen Begriffe durch den Raum, deren Bedeutung je nach Kontext changieren kann. Was heißt zum Beispiel Intervention – hier, heute, in diesem Zusammenhang?

Waren die Kunst- und Bildungsdebatten der 1990er-Jahre geprägt durch vergleichsweise statische und unterscheidbare Positionen, so scheint 2021 eine neue Fluidität zu herrschen.

Die Chance des Kurses besteht meines Erachtens darin, dass sich die Beteiligten über Begriffe verständigen werden und sich im Wissen um verschiedene mögliche Positionen eine eigene künstlerische Haltung erarbeiten können. Das kann eine Grundlage dafür sein, das Arbeitsfeld der Kulturellen Bildung aus der Kunst heraus aufzurollen.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Im Sinne der vorangegangenen Antwort möchte ich die Frage in sechs Rückfragen umwandeln: Was ist die kulturpolitische Ebene? Was ist die bildungspolitische Ebene? Welche Potenziale sind gemeint? Was zeichnet eine starke Zusammenarbeit aus? Von welcher Definition Kultureller Bildung soll ausgegangen werden? Und welcher Kunstbegriff bzw. welches Künstler:innenbild ist relevant? Eine Verständigung über diese Fragen würde mich im Verlauf des Wochenendkurses in Wolfenbüttel interessieren.

 

Seraphina Lenz bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Seraphina Lenz beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

Nach einer intensiven Vorbereitung über mehrere Monate unter Einbezug der Expertise vielfältiger Organisationen der künstlerischen Kulturellen Bildung startet der Pilotkurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim mit dem ersten Modul am kommenden Wochenende vom 24.09.21 bis 26.09.21 in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel.

Was sind die besonderen Potenziale der Künste für Prozesse Kultureller Bildung? Welche Vorteile hat es für Künstler:innen, wenn sie ihre Expertise in die Arbeit in soziale Kontexte erweitern? Ist Qualität eine Frage der Didaktik, des Ausbildungshintergrunds oder der eigenen Haltung, und inwiefern lassen sich Qualitätskriterien für künstlerische Arbeit mit gesellschaftlichen Gruppen entwickeln? Was bedeutete der Begriff der künstlerischen Intervention für das Verständnis von Vermittlung?

Die Stipendiat:innen und teilnehmenden Künstler:innen des Kurses stellen sich in diesem ersten Modul mit ihren künstlerischen Ansätzen und kulturvermittelnden Konzepten vor. Zentrale Begrifflichkeiten des Kurses werden verhandelt, Kategorien von Qualitäten künstlerisch-kulturvermittelnder Arbeit theoretisch reflektiert und künstlerisch-praktisch erprobt. Unter anderem Alicia de Bánffy-Hall (Professorin für ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit  mit Schwerpunkt Musik und Medien an der Hochschule Landshut), Uta Plate (Theatermacherin und Dozentin) und Seraphina Lenz (Künstlerin) geben Einblicke in ihre jeweilige künstlerische und berufliche Praxis und erproben und reflektieren ästhetische Formate und innovative kunstvermittelnde Konzepte gemeinsam mit den Teilnehmenden. Prof. Dr. Birgit Mandel (Universität Hildesheim) diskutiert Wirkungserwartungen und Potenziale der Künste für Kulturelle Bildung, Prof. Dr. Maike Gunsilius (Universität Hildesheim) stellt Ansätze und Beispiele von Participatory Art-Based-Research vor.

© Laurie Hall

Alicia de Bánffy-Hall ist Professorin für ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit (Schwerpunkt Musik und Medien) an der Hochschule Landshut. Nach einem B. A. Performing Arts/Community Music und einem M. Sc. Arts and Cultural Management hat sie zehn Jahre lang in Liverpool, England gelebt und europaweit als Community Musician gearbeitet. Sie war in Projekten u. a. mit Orchestern, Museen, Schulen, Kindertagesstätten, Gemeindezentren sowie in freien Projekten engagiert. De Bánffy-Hall hat in Deutschland den ersten M.-A.-Studiengang inklusive Musikpädagogik/Community Music mit aufgebaut. Sie ist im Vorstand des Community Music Netzwerks, außerdem ist sie Mitglied des Editorial Boards des International Journal for Community Music und der Community Music Activity Commission.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Mein Schwerpunkt liegt in der Community Music, mit Schnittmengen zur Musik in der Sozialen Arbeit, Musikpädagogik und Kulturellen Bildung.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Ich sehe in dem Kurs eine wichtige Ergänzung zu existierenden Fortbildungsangeboten, da er sich explizit an Künstler:innen wendet. Ich finde vor allem die interdisziplinären Aspekte spannend!

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Eine realistische Finanzierung und die Ausbildung für Künstler:innen im Bereich sozialer Innovationen sind essenziell. Deshalb ist dieser Zertifikatskurs so wichtig! Darüber hinaus ist das Sensibilisieren von Bildungs- und Kulturinstitutionen für die Potenziale der Zusammenarbeit mit Künstler:innen sehr wichtig.

 

Alicia de Bánffy-Hall bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Alicia de Bánffy Hall beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

© Christian Clarke

Prof. Dr. Frank Jebe (*1973) ist Künstler und Erziehungswissenschaftler sowie Professor für Kunst- und Kulturvermittlung an der Hochschule Niederrhein. Zuvor war er als wissenschaftlicher Referent in der Geschäftsstelle des Rats für Kulturelle Bildung mit den Publikationen und Studien des Expertengremiums befasst. Von 2008 bis 2013 verantwortete er als freiberuflicher Projektmanager des Kulturamts Düsseldorf kulturelle Bildungsangebote für Kindertagesstätten, Grund- und Hauptschulen sowie Jugendfreizeiteinrichtungen. Die Kooperationsprojekte zeichneten sich durch sozialraumbezogene Angebote der künstlerischen Erprobung aus. Von 1996 bis 2003 studierte Jebe an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 2009 bis 2012 studierte er Erziehungswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen.

 

 

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Mit dem Bezugspunkt der Kunst- und Kulturvermittlung kommen in meiner Lehre an der Hochschule Niederrhein unterschiedliche Schwerpunkte zum Tragen. Vorrangig sind hier die frühkindliche Kulturelle Bildung, die künstlerische Erprobung, die Handlungsformen der Kulturvermittlung, das Projektmanagement im Kulturbereich sowie die kulturelle Dimension von Digitalität zu nennen. In den Lehrveranstaltungen zur künstlerischen Erprobung spielen insbesondere meine biografischen Bezüge zur Bildenden Kunst eine wesentliche Rolle. Was mein Forschungsinteresse angeht, so liegt mein Augenmerk auf den bildungsrelevanten Schnittstellen von Kultur und Schule. Neben der Frage, wie Angebote von Künstler:innen im Sinne der Freien Künste Einzug in die Schule halten, sind für mich auch Fragen nach den bildungspolitischen Erwartungshaltungen an die Künste oder nach den Bildungspotenzialen für die Kulturvermittlung, die es im Zuge der Digitalisierung zu erforschen gilt, von Bedeutung.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Sicherlich liegt in der Professionalisierung des Felds ein großes Potenzial. Für mich lautet jedoch das zentrale Stichwort „Sichtbarkeit“. Der Zertifikatskurs besitzt das Potenzial, ein Arbeitsfeld für Künstler:innen in den Vordergrund zu rücken, das an den Akademien kaum thematisiert wird. Wenn es darüber hinaus gelingt, die bedeutsamen Erfahrungen, die mit künstlerischen Angeboten in der Schule einhergehen, sichtbar zu machen, ist viel gewonnen.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Ob es der Zertifikatskurs vermag, die Rolle der Künstler:innen auf dem „freien“ Bildungsmarkt strukturell zu stärken, ist fraglich. Dafür scheint das Machtgefälle zwischen den lobbylosen Solo-Selbstständigen und der Institution Schule doch zu groß zu sein. Für mich besteht die bildungspolitische Notwendigkeit darin, die Kommunen bei der Auswahl und Vermittlung von außerschulischen Bildungsanbietern stärker in die Verantwortung zu nehmen. Wie das beispielhaft gelingen kann, zeigt die Stadt Düsseldorf mit dem „Düsseldorfer Modell“.

 

Frank Jebe bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Frank Jebe beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referent in Modul 2: „Theoretische Konzepte und Diskurse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Victoria Tomaschko

Mona Marijke Jas ist seit 2015 Honorarprofessorin an der weißensee kunsthochschule berlin. Sie war u. a. Mitglied der Faculty der documenta 14 in Kassel und Athen im Jahr 2017 und leitete die (Ver-)Mittlung der 10. Berlin Biennale 2018. Außerdem lehrt sie aktuell an der Universität Hildesheim im Bereich Kulturelle Bildung und Kunstvermittlung. Ihr Forschungsschwerpunkt ist künstlerische Kunstvermittlung von zeitgenössischer bildender Kunst und Biennalen.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Als Künstlerin und Wissenschaftlerin geht es mir stets darum, Netzwerke zu schaffen, über die Künstler:innen und verschiedene Institutionen wie Schulen, Hochschulen, Kunstinstitutionen und soziale Einrichtungen auf Augenhöhe zusammenfinden und zusammenarbeiten. Das Besondere hierbei ist der beiderseitige Dialog: Meine künstlerischen Impulse und wissenschaftlichen Analysen fließen in Qualifizierungsprogramme für Künstler:innen, in die Lehre, in Kunstinstitutionen. Vor diesem Hintergrund schaffen wir einen gemeinsamen Erfahrungsschatz mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die zum Teil erstmals mit zeitgenössischer Kunst und den dazugehörigen Institutionen in einen intensiven Austausch treten können. Gemeinsam entwickeln wir innovative Vermittlungsformate – und ein generations- und sozialraumübergreifender Austausch kann entstehen.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Hier können Kunst- und Kulturschaffende dabei unterstützt werden, Bewegung zu erzeugen und Änderungen zu bewirken. Das ist sehr wichtig für eine Gesellschaft, aber auch genauso wichtig für die Weiterentwicklung des Kunstfelds. Der Zertifikatskurs bietet dabei den Raum, die eigene Arbeit kritisch zu reflektieren, andere zu irritieren und selbst auch irritiert zu werden. Um Dinge verändern zu können, müssen wir uns in den Systemen auskennen. Nur so lässt sich herausfinden, wo Schwachstellen, aber auch Stärken sind und an welchen Stellen Veränderungen möglich werden. Veränderungen sind vor allem möglich, wenn das Bewusstsein von Künstler:innen für die eigene Deutungshoheit und die eigene Handlungsfähigkeit gestärkt wird. Das sind zentrale Aspekte des Kurses. Zu diesen zählt auch der Anspruch an die künstlerische Qualität in der Vermittlung, verbunden mit einer selbstkritischen Kontextualisierung der künstlerischen Arbeit in der Bildung im Zusammenhang mit Diversität, Internationalität und lokalen Bezügen.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Auf kultur- und bildungspolitischer Ebene ist zunächst die Verbesserung der ökonomischen Lage von Künstler:innen, zum Beispiel durch das bedingungslose Grundeinkommen, erforderlich. So kann ein Raum geschaffen werden, in dem es jenseits von politischen Interessen und Marktzwängen möglich wird, der eigenen intrinsischen Motivation zur Arbeit im Bildungs- und Sozialbereich zu folgen. Dann gilt es auch, die Widersprüche einer komplexen gesellschaftlichen Realität von Künstler:innen auf politischer Ebene und im Bildungsbereich nachzuzeichnen: Markt versus politisches Engagement – oder geht beides? Und wie geht das wiederum zusammen mit dem künstlerischen Anspruch nach Singularität und Qualität? Oder auch mit der oben angesprochenen ökonomischen Situation? Zumindest bleibt festzustellen: Lineare und starre Vorstellungen von der künstlerischen Arbeit im Bildungsbereich helfen nicht weiter. Heute finden wir nicht nur Komplexitäten, sondern auch die Möglichkeiten, dass einander widersprechende Prozesse gleichzeitig stattfinden können. Dies gilt es im kultur- und bildungspolitischen Bereich viel stärker mitzudenken.

 

Mona Jas bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Mona Jas beteiligt sich im Rahmen des Zertifikatskurses als Referentin im Modul 3: „Strategien und Praxisformate der Kunst- und Kulturvermittlung“. Des Weiteren hat sie als künstlerische Projektleiterin den Pilotkurs mitkonzipiert und auf den Weg gebracht.

Siehe hierzu: https://kuenstlerische-interventionen.de/team/.

Bei Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

 

© Petra Coddington

Prof. Dr. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss studierte Pädagogik, Theater- und Medienwissenschaften, Italoromanistik und Philosophie in Erlangen und Bologna und schloss 2007 mit einer Arbeit zu Bildungs- und Lernprozessen im Theaterspiel ihre Promotion an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ab. Anschließend leitete sie als Postdoktorandin eine Studie zur frühkindlichen Bildung an der Universität Freiburg (Schweiz). Nach einer Juniorprofessur Kulturelle Bildung am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim ist sie seit 2012 Direktorin der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel und lehrt als Professorin für Kulturelle Bildung weiterhin in Hildesheim. Reinwand-Weiss ist in zahlreichen Gremien und Jurys Kultureller Bildung aktiv, so ist sie z. B. Gründungsmitglied des bundesweiten Netzwerks Forschung Kulturelle Bildung und Expertin im Rat für Kulturelle Bildung.

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Ich bin sowohl Kulturmanagerin als auch kulturpolitisch, lehrend und forschend im Feld der (frühkindlichen) Kulturellen Bildung unterwegs.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Ich verspreche mir von dem Kurs eine Sensibilisierung und Profilierung von Künstler:innen für vermittelnde Tätigkeiten in Bildungs- und Kultureinrichtungen und damit in der Zukunft eine stärkere strukturelle Verankerung von Kultureller Bildung in Bildungs- und Kultureinrichtungen. Unsere Bildungs- und Kultureinrichtungen haben mehr Kulturelle Bildung dringend nötig!

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Im Bildungsbereich bräuchte es mehr strukturelle Freiheiten und Mut von Kindertagesstätten und Schulen, ihr Profil ästhetisch auszurichten und sich über eine kulturelle (Schul-)Entwicklung auch anderen aktuellen Themen wie Nachhaltigkeit, Demokratieerziehung oder Diversität stellen zu können. Für vor allem staatliche Kultureinrichtungen bräuchte es meines Erachtens förder- und kulturpolitische Rahmenvorgaben zur Umsetzung Kultureller Bildung und Vermittlung als Querschnittsaufgabe. Für beides ist qualifiziertes Personal eine Grundvoraussetzung.

 

Vanessa Reinwand-Weiss bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ 

Vanessa Reinwand-Weiss beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Des Weiteren vertritt Vanessa Reinwand-Weiss die Bundesakademie für Kulturelle Bildung als einer der Projektpartner, die das Pilotprojekt begleiten.

Siehe hierzu: https://kuenstlerische-interventionen.de/projektpartner/bundesakademie-fur-kulturelle-bildung/. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

© Astrid Lennartz

Saskia Köhler (*1976) ist Schauspielerin, Theaterpädagogin und Kulturagentin im Programm Kulturagenten für kreative Schulen NRW in Bielefeld. Nach Schauspiel-Engagements im Stadttheater Bielefeld und im Theater für Kinder Hamburg war sie seit 1999 hauptsächlich in der künstlerischen, kulturellen Bildung tätig, zum Beispiel als Künstlerin für das mus-e Programm der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland und als künstlerische Leiterin einer mus-e Modellschule. Als Lernbegleiterin ist sie seit 2015 in der Peter Gläsel Schule (PRRITTI-Bildungsmodell) für das Themenfeld Schulentwicklung und künstlerisch-kulturelle Bildung zuständig. Für die PRRITTI- Akademie arbeitet sie als Expertin für die Entwicklung und Umsetzung digitaler und kreativer Lernformate. Bundesweit ist sie als Referentin und Beraterin für kreative und künstlerische Bildungsprozesse mit Stiftungen, Universitäten, künstlerisch-kulturellen Programmen und Schulen tätig.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Schwerpunkte meiner Arbeit sind die Themen Partizipation und Gestaltung im Bereich künstlerisch-kultureller Bildung. In allen meinen Betätigungsfeldern und bei meiner Arbeit steht stets im Fokus, durch methodische und systemische Partizipation und künstlerische Interventionen Veränderungsprozesse des Systems Schule anzustoßen sowie die Zusammenarbeit zwischen Kultureinrichtungen und freien Künstler:innen zu etablieren. Die Dimensionen und Qualitätsaspekte Kultureller Bildung sind für mich in diesem Spannungsfeld besonders interessant, um das Potenzial der Künste durch ihre transformativen Eigenschaften in ihrem Nutzen für die Bildung sichtbar zu machen und systemisch zu verankern.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Durch die Kollaboration der Künste mit dem System Schule können sich Lernprozesse auf die Potenziale der Menschen ausrichten. Das Zusammenwirken von künstlerischen Arbeitsweisen, Methoden und Herangehensweisen schafft neue Lernzugänge, die die Lebenswelt der Schüler:innen als Gestalter:innen eigener Lernprozesse in den Mittelpunkt stellt. Soziale und künstlerisch- ästhetische Kompetenzen werden durch künstlerische Zugänge, die sich aus dieser Verknüpfung ergeben, hinzugewonnen, sodass persönliche Entfaltung und kooperatives Denken und Handeln ermöglicht werden. Das sind Kompetenzen, die für die Zukunft notwendiger sind als Anweisungen zu befolgen oder Informationen zu repetieren. Kunst vermag die Komplexität von Lernprozessen sichtbar zu machen, Transformationen zuzulassen, und es zu ermöglichen, dass veraltete Strukturen aufbrechen und Lehrplänen ersetzt werden.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Evaluationen verschiedener Programme der Kulturellen Bildung der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass Künstler:innen in Schulen keine strukturellen Veränderungen bewirken können. Daher müssen Künstler:innen und auch Lehrer:innen eine neue Form der Ausbildung bekommen. Hierfür braucht es ein neues Berufsbild der Künstler:innen, die im Bildungskontext arbeiten möchten. Alle Kunstformen müssen in Schulen angeboten und gleichwertig behandelt werden. Zudem müssen Künstler:innen wie auch Lehrer:innen eine strukturelle Anbindung bekommen, um ihre Expertise gesichert entfalten zu können, um kooperatives und partizipatives Lernen zu ermöglichen.

 

Saskia Köhler bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Gemeinsam mit Birgitta Heller-Mevißen beteiligt sich Saskia Köhler im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 2: „Theoretische Konzepte und Diskurse“ und ist in Modul 8 sowie zusätzlichen Online-Formaten besonders für die „Train the Trainer“-Ausbildung verantwortlich. Bei Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de.

 

© Colya Kärcher

Dr. phil. Thomas Renz (*1979) ist Kulturwissenschaftler. Seit 2020 forscht er am Institut für Kulturelle Teilhabeforschung in der Stiftung für Kulturelle Weiterbildung und Kulturberatung (SKWK) in Berlin zu Fragen der strategischen Publikumsentwicklung von Kultureinrichtungen und -verwaltungen. Von 2017 bis 2020 wirkte er als kaufmännischer Geschäftsführer und künstlerischer Leiter des Stadttheaters Peiner Festsäle – Kulturring Peine e. V. Von 2010 bis 2017 lehrte und forschte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Er lehrt an mehreren deutschen Hochschulen und ist Co-Sprecher der Arbeitsgruppe Methoden im Fachverband Kulturmanagement e. V.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Als Kulturwissenschaftler mit breitem künstlerischem Hintergrund betreibe ich vor allem empirische kultursoziologische Forschung zu Fragen nach der kulturellen Teilhabe. Aktuell berate ich als Mitarbeiter am Institut für Kulturelle Teilhabeforschung Kultureinrichtungen und die Senatsverwaltung in Berlin zu Fragen der strategischen Publikumsentwicklung. In allen bisherigen beruflichen Stationen kam ich mit Verwaltungs- und Rechtsfragen in Kontakt. Diese Erfahrungen möchte ich gern im Kurs weitergeben.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Eine umfassende und thematisch breit angelegte Weiterbildung.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Fragen der Kulturellen Bildung, der Kulturvermittlung und der Publikumsentwicklung müssten in alle kulturpolitischen Entscheidungen mit einfließen. Die Besetzung einer Theaterintendanz darf nicht nur vom künstlerischen Profil der Person abhängig sein, sondern muss auch diese Kenntnisse beinhalten. Auf der anderen Seite müssen auch Künstler:innen die Bedeutung von Vermittlung stärker in ihre eigene Arbeit integrieren. Es funktioniert nicht, irgendeine Kunst zu machen und dann darauf zu hoffen, dass irgendein:e Vermittler:in das schon unter die Leute bringen wird.

 

Thomas Renz bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Thomas Renz beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referent in Modul 5: „Kulturmanagement für Kunstschaffende in der Kulturellen Bildung“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Lupi Suma

Uta Plate ist Theatermacherin und Dozentin. Nach ihrem Studium der angewandten Kulturwissenschaften (Universität Hildesheim) wurde ihre Publikation „Fremd bleiben“ über interkulturelle Theaterarbeit veröffentlicht (Co-Autorin: W. v. Bernstorff). Von 1999 bis 2014 war sie leitende Theaterpädagogin an der Schaubühne Berlin. Seit 2014 arbeitet Plate international als freischaffende Regisseurin. Ihre Schwerpunkte sind: intergenerative Projekte, Arbeit mit sozial benachteiligten Gruppen, Bürger:innentheaterprojekte, dokumentarisches Theater, internationale Projekte mit Jugendlichen, Site-specific-Projekte. Zudem lehrt sie als Dozentin an Universitäten in Berlin, Gießen, Hildesheim, Hannover, Kopenhagen (Dänemark) und Ouagadougou (Burkina Faso).

 

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

„There is a crack in everything. That’s how the light gets in.“ (Leonard Cohen)

Mein beruflicher Schwerpunkt ist meine kollaborative Arbeit mit den Expert:innen des Alltags, dem gemeinsamen Suchen und Experimentieren mit eigenen biografischen Lebenslinien, die durch Brüche geprägt sind – Momente des Zusammenbruchs, des Umbruchs, des Aufbruchs. Das durch einen Riss durchbrechende Licht erzählt dem Publikum von neuen Wegen, die man vorher vielleicht nicht für möglich gehalten hat.

Menschen mit verschiedenen Perspektiven auf gesellschaftliche Kontexte lade ich in meine Theaterarbeit ein, beispielsweise Familienrichter:innen oder Rainbow-Familien-Vereine wie bei der Produktion „Schöne neue Welt: Familie 2.0“ (Schauspielhaus Graz). In dem dokumentarischen internationalen Rechercheprojekt „Youth Memory“ (Deutsches Theater Berlin) untersuchten wir mit russischen, polnischen und deutschen Jugendlichen die diversen Gedenkrituale für den Zweiten Weltkrieg in den jeweiligen Ländern. Es entstanden Reibungen aufgrund der unterschiedlichen historischen Narrative, die dann ihren Ausdruck auf der Bühne fanden. Den Mut zur Auseinandersetzung braucht es auch in intergenerativen Theaterprojekten mit einheimischem Senior:innen und jungen Geflüchteten, um sich gegenseitig Fragen zu stellen, die sich sonst keiner zu fragen traut. (Residenztheater München: Servus Salem)

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Der Kurs soll die Kunst des „gemeinsamen“ Prozesses erforschen, wie dieser initiiert und gestaltet werden kann. Wie entsteht das Wechselspiel zwischen eigener künstlerischer Inspiration und der Suche und den Ideen sowie dem Forschen der Teilnehmenden?
Da die Form die Aussage definiert, gilt es in dem Kurs die Wirkungsweisen ästhetisch-formaler Sprache zu untersuchen: Wie wollen wir unsere Inhalte erzählen? Soll eine Entdeckung offenbart werden? Soll die Welt hinterfragt, das Publikum verstört werden? Oder sollen neue Welten erfunden werden?
Sich auf offene Prozesse einzulassen, erfordert von allen Projektteilnehmer:innen viel Mut und Vertrauen. Die Künstler:innen geben dafür den Rückenwind. Die Basis für Klarheit, Risikofreude und Spielraum von Möglichkeiten kann dieser Kurs geben.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Ein dringliches Ziel sollte die Mitbestimmung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen sein. Die Chancenungleichheit junger Menschen ist in der Pandemie noch sichtbarer geworden. Wie können wir Kulturschaffende den Ungleichheiten, die zu Sackgassen in Denken, Fühlen und Handeln führen, alternative Erfahrungs- und Entdeckungsräume entgegensetzen?

Als freischaffende Regisseurin und Theaterpädagogin erlebe ich die Herausforderung, Projekte der Kulturellen Bildung an bestehende Hierarchien anzusiedeln. Wie können Spiel- und Forschungsräume an Theaterhäusern, die andere Denkhierarchien und Kommunikationsweisen gewohnt sind, entstehen und reifen? Oft ist es ein konfliktreiches Feld, „das richtige Leben im falschen“ zu etablieren. Diese Konflikte brauchen andere Räume, um sie fruchtbarer zu gestalten – sie also nicht nur in kurzfristigen Prozessen so gut wie möglich zu bewältigen, sondern sie umfassend zu ergründen und weiterzuentwickeln. Solche Forschungsräume wünsche ich allen Beteiligten.

 

Uta Plate bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Uta Plate beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Jens Schmidt

Dr. phil. Özlem Canyürek ist freiberufliche Kulturpolitik-Forscherin und Dozentin. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Aufgabe und Rolle der Kulturpolitik, um eine faire und zugängliche Szene der darstellenden Künste für alle zu erreichen. Sie studierte Soziologie an der Universität Istanbul. Nach ihrem M. A. an der Istanbul Bilgi Universität zum Thema Kulturmanagement und Kulturpolitik promovierte sie an der Universität Hildesheim am Institut für Kulturpolitik. In ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der mangelnden kulturellen Vielfalt in der deutschen Theaterlandschaft. Sie schlägt Rahmenbedingungen einer rezeptiven Kulturpolitik vor, um kulturelle Vielfalt in Bewegung zu setzen für die Produktion und Verbreitung der Diversität von Gedanken, Erfahrungen, Wissen, Ästhetik und Weltanschauungen einer interkulturellen Gesellschaft. Sie ist Mitglied des PostHeimat-Netzwerks und der Global South Arts and Culture Initiative, GLOSACI.

 

 

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Meine Forschungsinteressen umfassen die Diversifizierungsprozesse in den darstellenden Künsten, die Schaffung gleicher Zugangsbedingungen zu den darstellenden Künsten und zu Kultureller Bildung für alle und den Aufbau interkultureller Kompetenzen und Fähigkeiten in der Kulturellen Bildung. Ich halte Vorträge zu diskriminierungskritischen, diversitätsorientierten Perspektiven in der Kulturpolitik, den darstellenden Künsten und der Kulturellen Bildung.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Kulturelle Bildung spielt eine entscheidende Rolle bei der Stärkung des Zugangs zu und der Teilhabe an Kultur. „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ haben das Potenzial, Horizonte zu erweitern und die westlich dominierte Form der Wissensproduktion in den Künsten zu verändern. Ich hoffe sehr, dass dieser Zertifikatskurs eine Möglichkeit sein kann, Künstler:innen die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen für das Erkennen und die Wertschätzung diversifizierter Arten und Weisen der Ästhetik und künstlerischer Formate zu vermitteln.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Erstens ist es wichtig, ein koordiniertes Vorgehen zwischen Kultur- und Bildungspolitik für eine stabile Zusammenarbeit mit Künstler:innen zu etablieren. Die entscheidende Frage ist jedoch, welche Kulturelle Bildung wir brauchen. Ziel sollte es sein, interkulturell orientierte Perspektiven der Kulturellen Bildung einzuführen. Unter interkulturell verstehe ich einen wechselseitigen, lebenslangen Lernprozess, der sich an alle Kinder und Jugendlichen richtet, unabhängig von ihrer ethnischen Herkunft in einem Land, in dem kulturelle Vielfalt als gesellschaftliche Norm anerkannt werden sollte. Eine vernetzte Kultur- und Bildungspolitik sollte sich um die Verbreitung verschiedener kultureller Ausdrucksformen bemühen und eine explizite interkulturelle Planung und entsprechende Umsetzungsstrategien anbieten, in denen Künstler:innen als Übermittler:innen von diversifiziertem künstlerischem Wissen positioniert werden.

 

Özlem Canyürek bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Özlem Canyürek beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 2: „Theoretische Konzepte und Diskurse“. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

© Anke Dörschler

Birgitta Heller-Mevißen ist Schauspielerin, Veranstaltungskauffrau und Kulturagentin. Sie war zehn Jahre an mehreren deutschsprachigen Bühnen beschäftigt und über 20 Jahre als Geschäftsführerin zweier großer soziokultureller Kulturzentren in Leer und Dortmund tätig.

Seit 2011 arbeitet sie als Kulturagentin und hat Schulen in Moers, Krefeld, Duisburg, Münster, Marl und Neukirchen-Vluyn beraten. Als Referentin und Dozentin moderiert sie Teams in Findungs- und Veränderungsprozessen und bildet Akteur:innen im Themenfeld der Kulturellen Bildung aus.

Sie hat eine Ausbildung sowohl für systemisches Coaching als auch für Teamcoaching und nutzt kreative Moderationsmethoden, um schnell und effizient Ergebnisse zu generieren.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Projekte der Kulturellen Bildung können in der Schulentwicklung maßgeblich Impulse setzen und Veränderungen bewirken. In den dafür notwendigen Prozessen gilt es, Schule und Kulturschaffende in Übereinstimmung zu bringen, Widerstände zu überwinden, Ressourcen zu entdecken und Strukturen zu entwickeln. Meine Aufgabe ist dabei die Rolle der Vermittlerin und Prozessbegleiterin. Fragen, Zuhören, Expertise einbringen und Impulse geben – dazu nutze ich Methoden des klassischen Coachings und Settings, die allen Beteiligten eine kreativ-künstlerische Teilhabe ermöglichen und damit neue Wege erfahrbar machen.

In meiner Arbeit als Dozentin werbe ich für die Potenziale und Chancen dieser Arbeitsweise – und vermittle mit ebendiesen Methoden das Werkzeug, um Teams und Akteur:innen zu befähigen, genau an den Schnittstellen zwischen systemischer Wahrnehmung, künstlerischer Arbeit und den klassischen Tools der Prozessbegleitung wirksam zu werden.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Künstler:innen sind in vielen Schulen in zunehmend divers besetzten multiprofessionellen Teams eingebunden. Gut, wenn sie bei aller Autonomie und künstlerischer Eigenständigkeit auch Systemkenntnisse und Expertise im Arbeitsfeld Schule mitbringen. Wie können künstlerische Prozesse und qualitativ hochwertige Projekte im oft starren schulischen Kontext realisiert werden? Das Einschätzen von Möglichkeiten, Formaten und vorhandenen materiellen Ressourcen ist oft schon eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches und nachhaltiges Arbeiten. Dabei gilt es, Diskurse lösungsorientiert und impulsgebend zu führen, um die Bedingungen für die künstlerische Arbeit an Schulen zu verhandeln.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Entscheidungsträger:innen aus Politik und Schulverwaltung sollten wissen und anerkennen, dass Schulen in ihren massiven Veränderungsprozessen vielfältige Impulse, Begleitung und Expertise brauchen, um neue Wege der Unterrichtsentwicklung und des sozialen Miteinanders zu finden. Als eine gestaltende Kraft und wirksam in Veränderungsprozessen, sollten Kunst und Kultur und deren Vertreter:innen, also Künstler:innen und Kultureinrichtungen intensiv in die Diskurse über neue Wege eingebunden werden. Die nonverbale, einende Kraft von kreativen Aktionen und Projekten ist eine unschätzbare Hilfe in Einigungs- und Findungsverläufen. Die Rolle und die Aufgabe der Künstler:innen sollten willkommen und definiert sein. Für die Teilhabe und das Einbringen ihrer speziellen Expertise sollten Künstler:innen dann auch adäquat und nachhaltig honoriert werden.

 

Birgitta Heller-Mevißen bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Gemeinsam mit Saskia Köhler beteiligt sich Birgitta Heller-Mevißen im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 2: „Theoretische Konzepte und Diskurse“ und ist in Modul 8 sowie zusätzlichen Online-Formaten besonders für die „Train the Trainer“-Ausbildung verantwortlich. Bei Fragen oder Interesse an einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de.

 

© Thorsten Jansen

Friederike Schönhuth studierte Visuelle Kommunikation und Bildhauerei in Offenbach sowie Kunstgeschichte und Soziologie an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Sie war Referentin für Bildende Kunst und Kuratorin des „ars viva“-Preises beim Kulturkreis der deutschen Wirtschaft im BDI und leitete die Kulturelle Bildung der Stiftung Nantesbuch. Seit fünf Jahren bei der Crespo Foundation verantwortet sie dort mittlerweile als Bereichsleitung „Ästhetische Bildung und Kunst“ die Förderung, Entwicklung und Ausweitung der bestehenden Programme in ihrem Bereich.

 

Wo liegt Ihr beruflicher Schwerpunkt?

Als studierte Künstlerin, Kunsthistorikerin und Soziologin sehe ich als einen meiner heutigen Arbeitsschwerpunkte und meine Expertise als Bereichsleitung „Ästhetische Bildung und Kunst“ bei der Crespo Foundation vor allem in der Entwicklung neuer Formate, die insbesondere auch immer die zeitgenössischen Künste und Künstler:innen an der interprofessionellen Schnittstelle zur kulturellen Bildung fördern und einbeziehen.

 

Welche Potenziale sehen Sie in dem Zertifikatskurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ für Ihr Fachgebiet?

Vor allem mit ihrem Programm „Das fliegende Künstlerzimmer“ möchte die Crespo Foundation Künstler:innen an der Schnittstelle von Kunst und Kultureller Bildung fördern und in ihrer Interprofessionalität stärken. Die damit verbundene Expertise soll dem Zertifikatskurs zugute kommen – und dieser wiederum den Künstler:innen. Darüber hinaus freuen wir uns auf die Aussicht, mit dem „Fliegenden Künstlerzimmer“ als Weiterbildungsort für den Zertifikatskurs in Hessen zukünftig die Anerkennung und Sichtbarkeit einer qualitätsvollen Arbeit von Künstler:innen in der Kulturellen Bildung zu erhöhen.

 

Welche Veränderungen sind auf kultur- oder bildungspolitischer Ebene notwendig, um die Potenziale einer Zusammenarbeit mit Künstler:innen für die Kulturelle Bildung in Deutschland zu stärken?

Um die Arbeit von Künstler:innen in der Kulturellen Bildung weiter anzuerkennen und zu fördern, gilt es, die Expertise von Künstler:innen stärker in die Konzeption, Rahmenbedingungen und Honorierung von Formaten kultureller Bildung einzubinden. Bisher sind sie in Kooperationen noch zu oft das letzte Glied in der Förderkette. Dadurch geht sehr viel an Kompetenz und Professionalität verloren, die eigentlich schon vorhanden ist, aber noch nicht genug abgefragt wird. Die „Künstlerischen Interventionen“ sind ein weiterer Schritt auf diesem Weg zur Stärkung der Interprofessionalität der Künstler:innen.

 

Friederike Schönhuth bei „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“

Friederike Schönhuth beteiligt sich im Rahmen des Kurses als Referentin in Modul 1: „Potenziale der Künste für kulturelle Bildungsprozesse“. Des Weiteren vertritt Friederike Schönhuth die Crespo Foundation als einer der Projektpartner, die das Pilotprojekt begleiten.

Siehe hierzu: https://kuenstlerische-interventionen.de/projektpartner/crespo-foundation/. Bei Fragen oder Interesse einer Zusammenarbeit wenden Sie sich gern an zertifikatskurs [at] uni-hildesheim [dot] de

 

Nach der intensiven Vorbereitung startet der Pilotkurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“ mit dem ersten Modul am Wochenende vom 24.09.21-26.09.21 in der Bundesakademie für Kulturelle Bildung in Wolfenbüttel.

Neben einem intensiven fachlichen Austausch werden außerdem künstlerische Ansätze diskutiert und erprobt, um die Potentiale der Künste in der Bildung auch praktisch erfahrbar zu machen.

Vor diesem Hintergrund startete in den vergangenen Wochen auch die vielseitige und aufwändige Begleitforschung seitens des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. In vor- und nachbereitenden Interviews im Rahmen des Kurses, in begleitenden Fragebögen und einer Langzeitforschung, werden verschiedene Fragen untersucht: Was sind zentrale Motive und Erwartungen für Künstler:innen eine solche Weiterbildung zu absolvieren? Wie lassen sich Qualitätskriterien für kulturelle Bildungsarbeit definieren? Inwiefern ist eine Verbindung von künstlerischen Anliegen und Interessen von kulturellen Bildungsprojekten möglich? Was sind zentrale Herausforderungen für Künstler:innen, die in Bildungsbereichen und sozialen Kontexten tätig sind? Was sind Gelingensbedingungen für ihre Arbeit?

Im Mittelpunkt der Forschung stehen somit Erfahrungen und Erfolgsbedingungen der Kunstschaffenden um künstlerisch wirksame kulturelle Bildungsarbeit zu ermöglichen. Die Ergebnisse werden in Hinblick auf Qualitätskriterien und Gelingensbedingungen untersucht, um eine langfristige Stärkung kultureller Bildungsarbeit in Deutschland zu initiieren.

Der September wird ereignisreich und es bleibt gespannt zu erwarten, welche neuen Möglichkeiten sich für alle Akteur:innen eröffnen werden!

33 finale Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten wurden zur Teilnahme an dem Zertifikatskurs ermittelt.

Nach einem intensiven Auswahlprozess der Projektverantwortlichen der Universität Hildesheim gemeinsam mit den externen Jurorinnen Özlem Canyürek und Khadidiatou Bangoura wurden nun 33 Teilnehmenden für den Pilotkurs ermittelt. Besonderer Fokus lag bei der Auswahl auch auf einer möglichst hohen Vielfalt in Bezug auf die Kunstsparten, ebenso auf Alter, Erfahrungen und Herkunft. Die Heterogenität der Gruppe ermöglicht es, die Inhalte des Kurses aus unterschiedlichsten Perspektiven zu diskutieren.

Jurorin Özlem Canyürek hebt dabei hervor, dass dies „die diverseste Gruppe“ sei, die sie bisher als Jurorin für Qualifizierungen im Kulturbereich in Deutschland ausgewählt habe. Aufgrund des hohen Rücklaufs von 456 Bewerbungen auf 30 Plätze haben sich die Organisator:innen darauf verständigt, die Teilnehmendenzahl um 10% zu erhöhen und 33 Personen aufzunehmen.

Ein wichtiges Signal für diejenigen Kunstschaffenden, die keinen Platz für den Pilotkurs erhalten haben, ist, dass schon jetzt intensiv an einer kontinuierlichen Etablierung der Weiterbildung an verschiedenen Orten in Deutschland  gearbeitet wird.

Die ausgewählten Stipendiat:innen werden im Mai mit ihrem Profil sowie einem Einblick in ihre künstlerische Praxis und bereits realisierte Projekte in der Kulturellen Bildung auf der Projekthomepage vorgestellt.

Bei Interesse an weiteren Informationen oder der Mitwirkung am Transfer des Pilotprojekts finden Sie Informationen auf der Webseite  sowie per E-Mail ( pia [dot] wagner [at] uni-hildesheim [dot] de).

Seit Februar arbeitet die Jury sorgfältig daran, aus den profilierten und vielseitigen Unterlagen eine passende Auswahl zu treffen. An dem Prozess beteiligt waren dabei maßgeblich die Partner:innen des Kurses: der Bundesverband Kulturagent:innen für kreative Schulen, CRESPO Foundation – Das fliegende Künstlerzimmer, TUSCH Hamburg, das Kunstlabor KLAUS, LesArt Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur, TanzZeit Berlin e. V. und das Zukunftslabor der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen sowie die Leitung Bildung und Vermittlung Documenta und Museum Fridericianum GgmbH.

Es wurden nun rund 90 Bewerber:innen zu Auswahlgesprächen eingeladen, um dann final 30 Stipendiat:innen zu ermitteln. Zur Unterstützung der Jury im Rahmen der Auswahlgespräche wird die Expertise von zwei externen Jurorinnen, Khadidiatou Bangoura und Özlem Canyürek, herangezogen.

 

Foto: Privat

Khadidiatou Rachel Bangoura stammt aus Liberia und Guinea. Sie ist in Frankreich geboren und zog im Alter von sieben Jahren nach Deutschland. Nach einem BA in Internationalen Beziehungen & Entwicklungsstudien und einem MA in Afrikanistik in London schloss sie im Oktober 2017 ihr Studium des Zeitgenössischen Tanzes (Danceworks Berlin) ab. Sie arbeitet als freiberufliche Choreografin und Tänzerin u.a. mit Jan Pusch, Okwui Okpokwasili, Ester Ambrosino (Tanztheater Erfurt), Rafaële Giovanola (Cocoon Dance), Lin Verleger (Comedia Theater) und Ives Thuwis-De Leeuw (Junges Ensemble Stuttgart).
 
 
 
 

Foto: Jens Schmidt

Dr. des. Özlem Canyürek hat in Istanbul Soziologie, Kulturmanagement und Kulturpolitik studiert. 2021 promovierte sie in Kulturwissenschaften und Ästhetische Praxis am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim mit einer Arbeit über „Cultural Diversity in Motion. Rethinking Cultural Policy and Performing Arts in an Intercultural Society”. Derzeit arbeitet sie als freiberufliche Kulturpolitikforscherin und Dozentin. Sie ist Ansprechpartnerin für den intersektionalen Diversitätsrahmen des Netzwerks PostHeimat, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Sie ist Mitglied der GLOSACI.

Wir bedanken uns bei allen Bewerber:innen für das Interesse!

Am 31.01.2021 war der letzte Tag der Bewerbungsphase. Von nun an beginnt die Auswahl der Teilnehmer:innen für den Pilotkurs „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“.

Wir wünschen  allen Bewerber:innen viel Erfolg und bemühen uns, Sie bis Mitte März 2021 über die Auswahl zu informieren!

Wenn Sie noch Fragen zum Kurs haben oder sich einfach noch weiter informieren möchten, besuchen Sie gern unsere FAQs oder die Aufzeichnung des WebTalks mit Prof. Dr. Birgit Mandel und Prof. Mona Jas. Auf Instagram (@kuenstlerische_interventionen) und Facebook (@Künstlerische Interventionen) halten wir Sie über Neuigkeiten auf dem Laufenden.

Zusätzlich können Sie sich zu unserem Newsletter anmelden. Schreiben Sie uns einfach eine formlose E-Mail mit dem Betreff „Newsletter-Anmeldung“ an zertifikatskurs[at]uni-hildesheim.de.

 

Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung – Qualifizierung und Zertifikat für Kunstschaffende aus den künstlerischen Disziplinen Architektur, Bildende Kunst, Design, Film, Fotografie, Literatur, Medien, Musik, Performance, Sound, Theater, Zeitgenössischer Tanz, Zirkus u. a.

Ein bundesweiter Zertifikatskurs, entwickelt durch das Institut für Kulturpolitik des Fachbereichs Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation der Universität Hildesheim in engem Austausch mit Praxispartner:innen, bietet insgesamt 30 Kunstschaffenden verschiedener künstlerischer Bereiche die Möglichkeit, sich für Arbeitsprojekte in der Kulturellen Bildung an Schulen und anderen Organisationen zu professionalisieren. Mit der Zertifizierung werden zudem Grundlagen für die Vermittlung und Bildung an Museen, Theater-, Tanz- und Opernbühnen, Orchestern, Jugendzentren oder bei Festivals erworben. Damit verbunden ist die Ausbildung als Trainer:in für zukünftige Zertifikatskurse „Künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung“.

Ziel der Qualifizierung ist es, Kunstschaffende in ihrer eigenen künstlerischen und kulturellen Erfahrung und Professionalität anzusprechen und diese für die Entwicklung und Umsetzung kultureller Bildungsprojekte in ihrer Wirksamkeit zu öffnen. Wie lässt sich künstlerische Expertise wirkungsvoll mit pädagogischen und organisatorischen Dimensionen verbinden? Welche neuen Anregungen und welche Sinnhaftigkeit entstehen durch die Arbeit in kulturellen Bildungskontexten? Welche neuen Blickwinkel öffnen sich durch beteiligungsorientierte Formate und neue Kontexte auch für die eigene künstlerische Arbeit? Wie lassen sich interdisziplinäre methodische und didaktische Grundlagen mit digitalen Strategien verbinden?

Die Künste haben für Bildungsprozesse besonderes Potential, denn sie ermöglichen „ästhetische Differenzerfahrungen“ jenseits der Alltagswahrnehmung. Die Erfahrungen von künstlerischen Prinzipien im Sinne eines entdeckungsgeleiteten Lernens können bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Neugierde, eigenständiges und unkonventionelles Denken und Handeln anregen, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit verstärken sowie für komplexe gesellschaftliche Zusammenhänge sensibilisieren.

HIER FINDEN SIE DIE TERMINE DES ZERTIFIKATSKURSES 2021/22:

Modul 1
September 2021: Fr, 24. – So, 26.09.21
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Modul 2
November 2021: Fr, 05. – So, 07.11.21
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Modul 3
Dezember 2021: Fr, 10. – So, 12.12.21
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Modul 4
Januar 2022: Fr, 28. – So, 30.01.22
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Modul 5
März 2022: Fr, 11. – So,13.03.22
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Modul 6
April 2022: Fr, 08. – So, 10.04.22
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Modul 7 
Juni  2022: Di, 21.06. – Do, 23.06.22
Ort: documenta fifteen in Kassel

Modul 8
Juli 2022: Fr, 15. – So, 17.07.22
Ort: Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel