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Christophe Ndabananiye

© Ela Bialkowska/OKNOstudio

Christophe Ndabananiye wurde 1977 als Sohn ruandischer Eltern in Lubumbashi in der Demokratischen Republik Kongo geboren. Mit neun Jahren zog er mit seiner Familie nach Ruanda. Bereits im Alter von zwölf Jahren war er als Schildermaler tätig und besuchte ab 1991 für drei Jahre die Kunstoberschule École d´Art de Nyundo in Ruanda. Mit achtzehn Jahren kam er nach Deutschland. Nach der Fachhochschulreife studierte er bis zum Jahr 2008 Freie Kunst an der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken. Er war an diversen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt, erhielt u. a. den renommierten Villa Romana-Preis im Jahr 2018 und ein damit verbundenes Stipendium in Florenz, außerdem Künstlerresidenzen in Baden-Baden und Cosenza. Darüber hinaus war Ndabananiye an der Freien Universität Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunst Afrikas tätig.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf? 

Von zentraler Bedeutung in meinen Arbeiten ist die Erinnerung, genannt Ukumbusho auf Suaheli, meiner ersten Muttersprache. Ich rekurriere dabei auf Spuren, sowohl als konzeptuelle Grundlage meiner Werke als auch als Material, die den Zustand von Heimatlosigkeit und Zerstörung durch das Zurücklassen von Menschen und Objekten signalisieren. Dabei verarbeite ich biografische Erfahrungen von radikaler Angst und Verlust, verbunden mit der Ungewissheit der Zukunft. Bevorzugt verwende ich industrielle Lackfarbe aufgrund ihres zerstörerischen Potenzials als giftige Farbe und zugleich wegen ihrer Funktionalität.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Mich interessiert in erster Linie der Diskurs über künstlerische Arbeiten. In meiner bisherigen kulturellen Bildungsarbeit, beispielsweise mit Kindern in Masaka in der ruandischen Hauptstadtprovinz Kigali oder mit Studierenden in Berlin, erlebte ich gegenseitige Inspiration. Sie fördert den gemeinsamen künstlerischen Prozess und lehrt uns die interessante Erfahrung des Austauschs zwischen Kunstschaffenden und Rezipient:innen, die wir in der Bildungsarbeit im Alltag erleben.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Von der Theorie bis hin zur Praxis im Kurs ist für mich sehr wichtig, wie die Kulturelle Bildung an der Schnittstelle von künstlerischer Arbeit, pädagogischer Arbeit und Kulturmanagement anknüpft und auch meine eigene künstlerische Position stärkt. Ein wichtiges Anliegen ist mir außerdem, die Zusammenarbeit mit anderen künstlerischen Sparten zu verstärken und dabei die Herausforderung der Digitalisierung in der Bildungsarbeit nicht zu vergessen.

 

Schuhe – persönlich versus unpersönlich, 2011

© Christophe Ndabananiye

Im Jahr 2011 habe ich einige meiner Arbeiten in der Ausstellung „Traces“ im Centre de Formation Refuge Icyugamo in Masaka gezeigt. Zu sehen waren die installative Arbeit „Schuhe – persönlich versus unpersönlich“, die stets für Irritation sorgt, außerdem verschiedene Serien aus Lack- und Acrylfarbe, zum Teil mit Collagentechnik, zu den Themen Spuren und Strecken.

Parallel zur Ausstellung habe ich gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Katja Vobiller einen Workshop für Kinder gestaltet. Dieser hatte zum Ziel, den Kindern Grundlagen der Gestaltung beizubringen. Auch hier zog sich das Thema „Spuren“ wie ein roter Faden durch die Workshops. Bei diesen entdeckten die Kinder ihre künstlerische Begabung und experimentierten mit Blei- und Buntstiften, Pinsel und Farbkasten, Wachskreide und Schere. Im Anschluss an den Workshop hatten die Kinder die Möglichkeit, ihre Werke auszustellen.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Für mich war die Kulturelle Bildung beim Austausch mit den Kindern eine wichtige Erfahrung, denn das Thema Identität spielte hier – wie auch schon in meiner bisherigen künstlerischen Laufbahn – eine große Rolle.