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Ole Meergans

© Matthias Steinkraus

Ole Meergans (*1988) ist bildender Künstler und lebt in Berlin. Er studierte Bildhauerei an der Universität der Künste in Berlin in der Klasse von Manfred Pernice. In gemeinschaftlichen Ausstellungen oder bei Projekten im öffentlichen Raum beschäftigt er sich mit klassischer Skulptur, Rauminstallationen sowie mit dem architektonischen Raum. Meergans interessiert sich für Kunst am Bau, vor allem aus der ehemaligen DDR, und der Frage von Figuration und Abstraktion. Geometrische, gegenstandslose Formbetonsteine – ähnlich derer in Berliner Plattenbausiedlungen – finden sich, zusammen mit figurativen bis deformierten Büsten aus Gips, 3D-Druck oder Bronze in seinen Arbeiten wieder. Er ist Teil des Künstlerkollektivs COLLCOLL, was es sich zur Aufgabe gemacht hat, durch künstlerische Interventionen Diskurse über Stadtaneignung, Partizipation und Self-Empowerment zu gestalten.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

In meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich mit Bedingungen der Kunstproduktion und Fragen der Präsentation sowie Repräsentation in der Kunst. Dabei interessieren mich auch Fragen nach Digitalität, Partizipation und Selbstorganisation in der Vermittlung, oder auch wie dem – meiner Meinung nach wenig beachteten – Problem des Klassismus im Kunstbetrieb entgegengewirkt werden kann.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Kulturelle Bildungsarbeit sollte niedrigschwellige Ansätze suchen und dadurch so viele unterschiedliche Menschen wie möglich einbinden. Dabei ist es mir wichtig, eine Situation zu erzeugen, die allen Beteiligten ein Gefühl von Vertrauen und Gleichberechtigung gibt, und ihnen so ermöglicht, ihr jeweiliges Wissen und ihre individuellen Fähigkeiten einzubringen. Sie soll Perspektivenwechsel ermöglichen, Selbstbewusstsein stärken und Menschen durch Erlebnisse einbinden.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Meine Vision für künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung ist die Überwindung von alten Dogmen der Kunst – wie Autorenschaft und künstlerisches „Genie“. Im besten Fall entstehen während der Interventionen eigenständige und kollektiv geschaffene künstlerische Arbeiten, die ohne eine singuläre Autorenschaft auskommen. Dabei interessiert es mich, nachhaltige Räume zu schaffen, die nicht nur für den kurzen Moment einer Veranstaltung oder eines Seminars entstehen, sondern dauerhaft nutzbar oder sichtbar sind.

 

Forms of Apolda

© Ole Meergans

Innerhalb eines partizipativen Bauprozesses wurde in Apolda, im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Thüringen, eine Außenraum-Skulptur aus Beton und Stampflehm errichtet. In öffentlichen Workshops wurde mit Anwohner:innen, Schüler:innen der Lessing Grundschule und Student:innen Lehm gestampft und Beton gegossen. Nachhaltigkeit und Zirkularität, aber vor allem die Einfachheit und Direktheit bei der Verarbeitung dieser Baumaterialien waren ausschlaggebend. Ziel war es, eine interpretationsoffene Form zu finden, die spontane Aneignung ermöglicht – als Land Art, Sitzbank, Liege oder Turm.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Für mich war besonders die Arbeit im Kollektiv bereichernd, und zu sehen, wie die unterschiedlichen Menschen ihre Fähigkeiten in die Arbeit eingebracht haben. Dabei konnte ich lernen, wie sich in den Gruppen Ideen oder Arbeitsabläufe transformieren und verbessern.

Die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmenden auf künstlerische Produktion sind dabei immer wieder bereichernd und schärfen auch den Blick auf meine eigenen künstlerischen Arbeiten.