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Lucia Matzke

© René Löffler

Die Krumptänzerin Lucia Matzke absolvierte 2021 ihr Masterstudium in Religion und Kultur an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Rahmen ihrer Masterarbeit forschte sie im Nordirak zum Thema inter-ethnisch-religiöser Verständigung und „Social Cohesion in Ninewa“. Seit einigen Jahren arbeitet Matzke als freiberufliche Tänzerin und Tanzpädagogin. Sie unterrichtet Kinder und Jugendliche in Hip-Hop und Krump, unter anderem im motion*s Tanz- und Bewegungsstudio, in Zusammenarbeit mit Seitenwechsel e. V. sowie im Rahmen der TanzZeit Jugend Company. Darüber hinaus ist sie ein aktives Mitglied der Berlin Krump-Community und organisiert Events zur Vernetzung der urbanen Tanzszene (urbandanceberlin). Zukünftig möchte sie eigene Tanz-Austauschprojekte entwickeln, die ihre beiden Leidenschaften miteinander vereinen: Tanzen und den interkulturellen Austausch.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

In meinem Studium (B. A. in Kultur- und Sozialwissenschaften, M. A. in Religion und Kultur) habe ich mich intensiv mit Themen wie Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung auseinandergesetzt. Mich hat immer interessiert, wie und wieso Menschen Feindbilder erschaffen und sich von den vermeintlich „anderen“ abgrenzen wollen. Ich wollte Möglichkeiten finden, solchen Prozessen entgegenzuwirken. In der Kunst, vor allem im Tanz sehe ich das Potenzial dazu. In meiner künstlerischen Arbeit beschäftige ich mich viel mit den positiven Wirkungsweisen von Tanz.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Tanz verbindet, Tanz ist Verständigung (Körpersprache) und das schafft eine Plattform, auf der gesellschaftliche Grenzen aufgebrochen werden können. Ich möchte mit meiner kulturellen Bildungsarbeit Projekte entwickeln, die das Potenzial von Tanz nutzen. Ich möchte mit Tanzprojekten jungen Menschen und Erwachsenen helfen, Vorurteile oder Feindbilder zu dekonstruieren. Ich glaube, dass Krump auch Menschen erreichen kann, die sonst eher wenig Teilhabe an Kunst und Kultur haben und gleichzeitig viel mehr – beispielsweise in die Rassismus-Debatten – involviert werden sollten.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Kunst bietet immer sehr viel Spielraum. Als Tänzerin kann ich mich immer wieder neu erfinden und so befinde ich mich in einer permanenten Auseinandersetzung mit mir selbst. Kunst als Medium zu nutzen, sich mit gewissen Themen der Kulturellen Bildung auseinanderzusetzen, erschafft unzählige Zugänge und Möglichkeiten, diese Themen zu betrachten. Dieser Spielraum für mögliche individuelle Entfaltung macht für mich eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus. Jede:r kann selbst entscheiden, wie intensiv sie:er sich mit dem Thema auseinandersetzt.

 Ich will Meer

© Lucia Matzke

 „Ich will Meer“ – ein Tanztheaterprojekt, initiiert von Seitenwechsel e. V., gefördert von CHANCEtanz

Ziel des Projekts war die Vernetzung von 10- bis 14-jährigen Mädchen aus drei verschiedenen Jugend-Freizeiteinrichtungen sowie die Vermittlung von Tanz, Theater und Bühnenpräsenz. An mehreren Workshop-Wochenenden lernten die Mädchen intensiv tanzen und entwickelten auf einer Proben-Reise an die Ostsee ein eigenes Tanztheaterstück. Das Oberthema „Ich will Meer“ stand zwar fest, aber die Inhalte der einzelnen Szenen kamen von den Mädchen selbst. Wir, die Tanzdozentinnen und Choreografinnen, setzten uns mit Themen auseinander, die die Mädchen beschäftigten, zum Beispiel Mobbing in der Schule. Das 30-minütige Stück wurde den Eltern, Bekannten und Verwandten am Ende auf einer richtigen Bühne präsentiert.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Tanz bietet facettenreiche Möglichkeiten des individuellen Ausdrucks. Dieses Projekt hat mir gezeigt, wie jede Teilnehmerin auf ihre eigene Art und Weise neue Fähigkeiten entwickelte, sowohl im Tanzen als auch persönlich, die zu einer Stärkung des Selbstbewusstseins führten. Gerade im Hip-Hop und im Krump gibt es genug Raum, sodass jede:r ihren:seinen Platz finden kann. Durch solche Projekte bekommen Menschen, die sich das sonst eventuell nicht leisten könnten, Zugang zum Werkzeug Tanz als individuelle Ausdrucksform,.