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Gudrun Ingratubun

© Eunae Anna Jo

Gudrun Ingratubun ist Pflanzendruck- und Buchkünstlerin sowie Literaturübersetzerin aus dem Indonesischen. Sie hat Landwirtschaft und Anglistik studiert und sieben Jahre in Tansania, Großbritannien und Indonesien gelebt. In Jakarta und Berlin hat sie Buchprojekte mit Kindern initiiert. In ihrer eigenen Kunstpraxis druckt sie mit Blättern und Blüten, experimentiert mit pflanzlichen Farbbädern, Tinten und Druckpasten auf Papier und Stoff. So dokumentiert sie kollektive Prozesse aus pflanzlicher Perspektive und stellt sie menschlichen Einflüssen gegenüber. Außerdem entwirft und baut sie gemeinschaftlich Hochbeetbänke im öffentlichen Raum. Ihre Arbeiten wurden im Prinzessinnengarten, im Organ kritischer Kunst (OKK) und im bauhaus reuse Pavillon in Berlin ausgestellt.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Die Auseinandersetzung mit der Natur als Sehnsuchtsort, aber auch als Ort der rücksichtslosen Zerstörung, wenn der Mensch seine Bedürfnisse über die aller anderen Lebewesen stellt.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Ich möchte bewirken, dass die Teilnehmenden die Welt ein kleine bisschen mit anderen Augen sehen, Pflanzen als Lebewesen spüren, die Formen der Bäume und ihrer Blätter bewusster wahrnehmen und dadurch achtsamer mit der Natur umgehen. Außerdem möchte ich bewirken, dass die Teilnehmenden sich selbst bewusster wahrnehmen, zu mehr Ruhe finden und dies künstlerisch ausdrücken.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Sie ermöglicht überraschende ästhetische Erfahrungen, rüttelt auf, lässt uns Dinge hinterfragen und zeigt im besten Fall Lösungen auf. Sie bringt Menschen ins Gespräch.

Kalle Hochbeete, 2021

© Claudia Jahnke

Nach der Projektvorstellung beim Ideen-Forum Nachhaltige Stadt im bauhaus reuse Pavillon haben wir auf einem Berliner Innenstadtplatz in einer gemeinschaftlichen Aktion mit Nachbarn und Menschen, die spontan dazugekommen sind, aus alten Fußbodendielen und Palettenbrettern Hochbeetbänke gebaut. In den Beeten sind naturbelassene Robinienpfähle verankert, die eine Illusion von Wald schaffen, aber auch als Rankhilfe oder zum Anhängen von Objekten dienen. So haben wir Sitzgelegenheiten in einem Halbrund geschaffen, zur Begrünung des Platzes beigetragen, gemeinschaftliches Gärtnern und mehr Kommunikation in der Nachbarschaft ermöglicht, auch über das kontroverse Thema der Verkehrsberuhigung. Außerdem können an diesem neuen Ort Ausstellungen und Workshops stattfinden.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Durch den Bau der Hochbeetbänke für die Gemeinschaft mit bekannten und vorher unbekannten Menschen ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden, das auch Nicht-Beteiligte spüren. Die Bänke sind fast immer besetzt und werden achtsam behandelt. Die Hochbeetbänke schaffen die Möglichkeit zum Dialog, der insbesondere in dieser Pandemie fehlt.