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Céline Bartholomaeus

© Katrin Simhäuser

Céline Bartholomaeus (*1988) studierte „Kunst in Aktion“ und „Kunstwissenschaften“ an der Hochschule für Bildende Künste (HBK) in Braunschweig. Seit 2017 ist sie am Staatstheater Braunschweig als Theatervermittlerin mit den Schwerpunkten „Intersektionalität und Diversität“ und als Projektleiterin für „Theater in die Schule“ tätig. Vor ihrem Engagement am Staatstheater Braunschweig arbeitete sie als freiberufliche Theaterpädagogin und Bildungsreferentin mit verschiedenen Institutionen und realisierte künstlerische Projekte und Inszenierungen mit dem Fokus auf Empowerment für BIPoC, Rassismuskritik und politischer Bildung. Seit der Spielzeit 2018/2019 ist sie als Lehrbeauftragte an der HBK Braunschweig für „Theater in die Schule“ tätig. Als Mitgründerin und Vorsitzende vom Amo-Braunschweig Postkolonial e. V. verbindet sie ihre künstlerische Praxis mit rassismus- und machtkritischen Diskursen.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

In der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen tauchen dieselben Themen in unterschiedlicher Intensität und Dringlichkeit auf. Während die Frage nach Partizipation in der Theaterarbeit mit nicht professionellen Darstellenden und Schreibenden oftmals dort beginnt und auch schon wieder aufhört, wo Förderlogiken Zugänge und Ausschlüsse festlegen, geht es in der praktischen Arbeit immer wieder um die Frage nach der eigenen Verortung auf der Bühne und den Themen, die dort verhandelt werden. In meiner Arbeit ist es ein Querschnittsthema, machtkritische Ebenen mitzudenken und sie in Inszenierungen als Arbeitsgrundlage zu setzen. Dabei geht es um die Frage nach Körperlichkeiten auf der Bühne, die eine eigene Deutungsebene einfordert, und somit Seh- und Inszenierungsgewohnheiten infrage und auf den Prüfstand stellt.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

An der Schnittstelle von emanzipatorischer und Kultureller Bildung liegt ein enormes Potenzial der Verortung und Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Da insbesondere Schulen immer drastischer kulturell-künstlerische Stunden streichen müssen, verringert sich das Angebot, dort eigene ästhetische Ausdrucksweisen zu entwickeln und Impulse zu erhalten. Daher möchte ich durch den engen Kontakt mit Schulen mein Wissen, Netzwerke und Möglichkeiten teilen, um weiterhin Kulturelle Bildung in entsprechende Institutionen einbinden zu können. Außerhalb schulischer Kontexte liegt mein Fokus auf Theaterarbeit und Performance, die sich mit und an ein Publikum wenden, und die den möglichst realen gesellschaftlichen Verhältnissen entsprechen, mitgedacht werden und dem Theaterkanon eine Perspektive entgegensetzen.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Erstens, dass sie lustvoll besetzt und dabei schmerzhaft und laut, oder leise und stürmend oder wohltuend und stechend sein kann. Zweitens, dass sie wahrgenommen wird. Drittens, dass sie Potenzial hat zu wachsen.

Theater in der Schule

© privat

Beim Projekt „Theater in die Schule“ arbeite ich mit Schüler:innen und Lehrkräften eines Jahrgangs sowie Künstler:innen unterschiedlicher Disziplinen an einer eigenen Interpretation eines bestehenden Theaterstücks, das wir im Vorfeld besuchen. Dabei entstehen Theatererlebnisse, die es uns ermöglichen, alle Projektgruppen – Theater, Tanz, Videokunst, Ausstattung, Gaming und Food Art – miteinander in interdisziplinäre Prozesse zu bringen. Den Rahmen der Theaterproduktion erarbeite ich im Vorfeld und entlang der Metathemen der Theaterproduktion und bespreche ihn mit den Teams, sodass möglichst viel in Interaktion entstehen kann. Ich begleite die Prozesse und führe alle Ergebnisse zusammen. Besondere Herausforderung in diesen Projekten ist die Arbeit im physischen Raum Schule, in dem die Schüler:innen etwas entwickeln, was sonst nicht dem Alltag dort entspricht.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

In der Schule gibt es ein Spannungsfeld zwischen Institution Schule mit ihren starren Strukturen, Zeiten, Hierarchien, Schutzverordnungen, Pausengongs und dem Anspruch künstlerisch qualitativ hochwertig zu arbeiten und zu inszenieren. Diesen Abgrund gilt es zu überwinden. Hierbei habe ich festgestellt, welche Kraft Theater und Kulturelle Bildung entfalten können, auch wenn sie noch so eingeengt werden. In einem sterilen Theaterraum, wo sich so vieles auf das „Schaffen“ fokussiert, wird der Ort Schule zu einem Labor in den unterschiedlichsten Räumen, die erobert werden. Es finden dramaturgische Diskussionen über Bühnenentscheidungen statt und Lieder, Requisiten und Texte entstehen. Schon früh wird deutlich: Diese Produktion gehört den Schüler:innen!