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Olek Konrad Witt

© Rolf Franke

Olek Konrad Witt ist Theaterregisseur, Performer, Schauspieler und Theaterpädagoge. Er wurde in Polen geboren und emigrierte 1978 nach Deutschland. Witt studierte Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft an Universitäten in Heidelberg, London und Berlin. Nach Abschluss als Diplom-Politologe studierte er Tanz und Schauspiel an der Akademie für Visuelle Kunst in Posen und an der Schauspielakademie in Berlin. 1995 gründete er das „Theater am Ende“ und schuf Site-specific Performances. Witt engagiert sich in der Förderung von kreativen Potenzialen von Kindern und Jugendlichen und gründete 2003 in Solingen das Ensemble „spinaTheater“ und 2008 in Berlin die interkulturelle Gruppe „Theater der Migranten“. Mit dem Dresdner Kollektiv „re-Publik Performance“ realisiert er Projekte zu Erinnerungskultur.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf? 

Entsprechend dem Motto „Jeder Mensch ist ein Künstler“ von Joseph Beuys, taucht bei mir immer wieder die Förderung von kreativen Potenzialen von Kindern und Jugendlichen auf. Ich wende Methoden des Devising Theatre bei der Entwicklung von Performances an. Zentral sind kollektives, kollaboratives und improvisatorisches Arbeiten und Erforschen der sozialen Wirklichkeit sowie der Respekt für unterschiedliche Lebenserfahrungen und Entwürfe. Ich wende unkonventionelle Formate wie Theaterparcours an, die einem breiteren Publikum in diversen sozialen Räumen einen direkteren Zugang zur Kunst ermöglichen. Es geht mir um das Erkennen von sichtbaren und unsichtbaren Grenzen, um sie zu hinterfragen, denn Theaterkunst ist Dialog.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken? 

Ich möchte bewirken, dass die Partizipation gestärkt wird, neue, unkonventionelle Zugängen zu Kunst jenseits von Privilegien aufgrund der Herkunft oder Bildung geschaffen werden, die persönliche Entwicklung sowie die Eigenverantwortung der kreativen Selbstbestimmung gestärkt werden. Eine demokratische Gesellschaft ist stets eine Gesellschaft im Wandel. Dieser Wandel braucht immer wieder neue individuelle und kollektive Gestaltungsfähigkeit. Durch die Anwendung von theaterpädagogischen und performativen Methoden wird die Entfaltung der Kreativität und der ästhetische Bildung als Basis für die kulturelle und politische Teilhabe gefördert.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus? 

Sie sorgt für eine ästhetische Sensibilisierung und Durchbrechung von Alltagswahrnehmung durch Entdeckung, Erforschung und Manifestation von neuen Perspektiven. Außerdem trägt sie dazu bei, Veränderungen in sozialen Räumen durch dialogische Prozesse bewusst und aktiv zu gestalten. Sie fördert das Erkennen und Infragestellen von Strukturen, die die notwendigen Veränderungsprozesse behindern, sowie temporäre und spontane Aktionen im öffentlichem Raum als auch langfristig angelegte Strategien, die auf Defizite, Ungleichheiten und Diskriminierung aufmerksam machen und zugleich auf positive Veränderungen zielen sowie eine Teilhabe mit einer umfassenden Inklusion ermöglichen.

Ortswechsel – Szenen aus dem Leben einer Stadt

© Bernd Banski

Die Produktion des Theaters der Migranten nimmt das Publikum in „Ortswechsel. Szenen aus dem Leben einer Stadt“ mit auf eine Reise durch die Straßen und die Häuser des Reuterkiezes in Berlin-Neukölln. Die Zuschauer:innen wandern in Gruppen und erleben Theater als einen Parcours an bekannten und unbekannten Orten. Dort haben junge Akteur:innen des multikulturellen Ensembles kurzweilige, sehr musikalische und manchmal auch skurrile Szenen entwickelt. Ob ein türkischer Friseur, eine polnische Buchhandlung, ein deutscher Fahrradladen oder ein brasilianisches Cafe – jeder dieser Orte ist eine Bühne, die von den Darsteller:innen vielfältig bespielt wird. Hier sind die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit fließend. Theaterkunst wird zur Ausdrucksform der vielschichtigen Alltagskultur.

Was haben Sie aus dem Projekt für ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Dieses Projekt war ein ermutigendes Experiment. Ich habe hier gelernt, wie soziale Kunst funktionieren kann. Kunst als partizipative, niederschwellige Intervention im öffentlichen Raum. Es war eine erkenntnisreiche Erfahrung in einem multikulturellen Team verschiedene Orte eines Stadtteils zu bespielen. Diese Orte mit ihren historischen und sozialen Backgrounds, mit ihren authentischen Alltagskulissen, sind eine Inspirationsquelle für ein kollaboratives Erfinden von Geschichten, an dem sich alle Spieler:innen mit ihren diversen Fähigkeiten und mit großer Spielfreude beteiligen können.