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Mareike Wenzel

© Merav Maroody

Die Schauspielerin und Theatermacherin Mareike Wenzel ist seit 2007 Teil des dänisch-österreichischen Performance-Kollektivs SIGNA. Darüber hinaus entwickelt sie eigene Performance-Formate und künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung. Ihre Arbeiten setzen sich stark mit öffentlichen und privaten Räumen und unterschiedlichen Lebensrealitäten auseinander. Seit zehn Jahren arbeitet Wenzel immer wieder in Georgien. Dort unterrichtet sie Performance und Immersives Theater am Center of Contemporary Art Tbilisi und arbeitet an partizipativen, künstlerischen Formaten für die Frauen*rechtsorganisation WISG. 2016 gründete Wenzel die georgische Nichtregierungsorganisation Aitsona Daitsona für Kindertheater und kulturelle Bildungsprojekte.

www.mareikewenzel.com

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Meine Arbeiten gehen sehr stark von Orten und Räumen aus, die ich gemeinsam mit verschiedenen Gruppen erforsche und neu betrachte. Das Umdefinieren von gängigen Narrativen und Neugestalten von Räumen stehen im Zentrum meiner Arbeit. Ein Schwerpunkt dabei sind Erfahrungen von Frauen und die Auseinandersetzung mit öffentlichen und privaten Räumen. Mich interessiert das Übereinanderlegen verschiedener Narrative und die Verknüpfung mit Orten, um neue Gedanken- und Begegnungsräume entstehen zu lassen und eine gemeinsame künstlerische Sprache zu entwickeln.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Kulturelle Bildungsarbeit bedeutet für mich, gemeinsame Räume zu schaffen und zu öffnen, um neue Narrative entstehen zu lassen, bestehende Strukturen zu hinterfragen und Teilhabe zu ermöglichen. Kunst als ein gemeinsames Erlebnis und Kommunizieren in einer gemeinsamen Sprache, die sich durch und in einem ständigen Austausch entwickelt. Sie kann neue Narrative zu bestehenden Orten oder Positionen entwickeln und dabei Zuschauende sowie Teilnehmende herausfordern, eigene Wahrnehmungen und Verhaltensmuster zu hinterfragen und so Raum für Neues und ein neues kulturelles Verständnis zu schaffen.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Sie schafft Orte des Austauschs, der Begegnung und Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen und eröffnet neue Wissens- und Diskursräume. Mit künstlerischen Mitteln kann Bewusstsein für unterschiedliche Lebensrealitäten geschaffen werden. Für mich sind diese Arbeiten immer ein Austausch und Wissenstransfer, eine gemeinsame Suche und gemeinsames Verhandeln von Themen, immer ergebnisoffen und auf Augenhöhe. Sie hinterfragen gängige kulturelle Praxis, schaffen neue künstlerische Begegnungsorte und ermöglichen Partizipation aus Sicht der Teilnehmenden sowie der Betrachtenden.

PLAY, 2015

© Mariam Gabritchidze

PLAY war eine Arbeit für die Tbilisi Triennial 2015. Über mehrere Monate arbeitete ich mit den Bewohner:innen des georgischen Dorfs Machkhaani zusammen, um in verschiedenen Interventionen das dortige, leerstehende Theater zu bespielen und wieder in das Dorfleben zu integrieren. Das Projekt knüpfte an Erinnerungen der Bewohner:innen an. Gemeinsam sammelten wir Geschichten über das Dorf, das Theater und die Bewohner:innen und setzten sie in Installationen um. Das Theater wurde mit den Dorfbewohner:innen nach ihren Ideen umgestaltet und wiedereröffnet. Darüber hinaus entwickelte ich mit Schüler:innen ein immersives Theaterstück über ihr Leben in Machkhaani, frei nach „Romeo und Julia“, das durch das ganze Dorf führte und im Theater endete.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Das Projekt ist Ausgangpunkt für meine späteren Arbeiten im Bereich künstlerische Interventionen in der Kulturellen Bildung. Die lange Arbeit vor Ort hat mir gezeigt, wie wichtig das zeitintensive Arbeiten ist, um etwas gemeinsam entstehen zu lassen und Arbeit auf Augenhöhe zu ermöglichen. Ich habe gelernt, meine eigene künstlerische Position mit den Bedürfnissen der Teilnehmenden in Einklang zu bringen, sie immer wieder neu zu bewerten und ergebnisoffen zu arbeiten. Ich sehe mich als Mittlerin, die nach Anknüpfungspunkten sucht, verschiedene Materialen zusammenbringt und ästhetische Rahmen setzt.