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Elisaveta Siomicheva

© privat

Elisaveta Siomicheva (*1985, St. Petersburg, Russland) ist eine multidisziplinäre Künstlerin, Kuratorin und Kulturmanagerin, die in Berlin ansässig ist. Als ausgebildete Journalistin betätigte sie sich als Produzentin von Dokumentarfilmen und als Fotografin. Ihre Themen sind dokumentarische Kunst, sozialer Wandel, Diversität und Migration sowie die Förderung aller Formen der Gleichstellung durch künstlerische Arbeit. Seit 2010 arbeitet Siomicheva als Kuratorin von Kulturveranstaltungen und Festivals und schafft dabei Raum für Diskussionen an der Schnittstelle zwischen Kunst und gesellschaftlichen Themen. Sie erhielt ein Stipendium für die Durchführung eines forschungsbasierten Projekts über „Internationale Kunstpraktiken. Kunstfestivals und Künstlerresidenzen, die zur Zusammenarbeit von Künstler:innen, Mediator:innen und Teilnehmer:innen führen.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Aufgrund meiner Ausbildungen als Journalistin und Dokumentarfilmerin habe ich Kunst immer als soziale Praxis betrachtet. Seit 2011 arbeite ich als Kulturmanagerin und Kuratorin. Bei meiner Arbeit stoße ich oft auf das Thema Privilegien. Jeder Mensch, jedes Kind ist von Natur aus talentiert und begabt. Aber oft bietet die Gesellschaft keine Gelegenheit und kein gutes Umfeld für eine Person, damit sie sich verwirklichen kann. Daher ist es mir wichtig, mich zum Beispiel mit dem Thema Migration zu beschäftigen.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Ich hoffe, mit meiner kulturellen Bildungsarbeit zu weltweiter Gerechtigkeit, Inklusion und Frieden beitragen zu können. Aber zumindest möchte ich erreichen, dass jede Person an ihre Einzigartigkeit glaubt und sich frei äußert.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Die Kulturelle Bildung hat zurzeit ein großes Potenzial, bei den wichtigsten Herausforderungen Veränderungen herbeizuführen. Ich bin sicher, dass sich sowohl das Bildungssystem als auch die Bildungskonzepte erheblich ändern müssen. In diesem Sinne können Kunst und künstlerische Eingriffe in die Bildung zu Inspirationen, neuen Ansätzen und neuer Energie führen. Ich hoffe, dass künstlerische Interventionen das Interesse an konventionellem Wissen fördern und gleichzeitig neue Möglichkeiten bieten, die Welt besser kennenzulernen.

Russisch ohne Wörterbuch

Zusammen mit einem Team junger Regisseur:innen, Dramatiker:innen und Künstler:innen haben wir ein Projekt namens „Russisch ohne Wörterbuch“ entwickelt. Das Projekt hilft Kindern mit Migrationserfahrung, Russisch durch Theater, Geschichtenerzählen und künstlerische Praktiken zu lernen. Zusammen mit den Kindern erzählten wir Geschichten über uns selbst, erstellten unser eigenes Vokabular und zeichneten Comics über das Leben von Migrantenkindern in Russland. Wir haben mit dem Internat Nr. 28 zusammengearbeitet, in dem 150 Kinder und Jugendliche aus Krisenfamilien sowie Kinder aus Migrantenfamilien studierten. Viele von ihnen sprachen nicht gut Russisch. Dies wirkte sich nicht nur auf ihre Fortschritte in den Schulfächern aus, sondern auch auf ihre Kommunikation mit anderen. Unsere Kurse halfen den Kindern, mit kreativen Techniken Russisch ohne Wörterbuch zu lernen.