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Kristin Lohmann

© Andreas Gärtner

Kristin Lohmann (*1976) absolvierte im Anschluss an ihre Holzbildhauerausbildung ein Studium der Freien Bildenden Kunst mit dem Schwerpunkt Bildhauerei an der Kunsthochschule Mainz (Ernennung zur Meisterschülerin) und ein Gaststudium an der Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt am Main. Sie realisierte zahlreiche Kunstprojekte mit Kindern und Jugendlichen sowie Workshops im Bereich Kultureller Bildung und praktischer Kunstvermittlung für Stiftungen, Museen, Bildungs- und Kultureinrichtungen. Lohmann ist als Kunst-Dozentin für die Stiftung Kunst und Natur gGmbH und für die Freie Kunstakademie Frankfurt tätig. Seit 2007 hat sie ein Atelier im Frankfurter Ostend und realisiert dort ihre Skulpturen, Installationen und konzeptuellen Arbeiten.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Auf den ersten Blick oft unscheinbar, fast banal wirken meine Skulpturen und Installationen. Ironisch werden die Gegebenheiten des täglichen Lebens hinterfragt. Dabei löse ich gerne Altbekanntes aus seinem gewohnten Kontext und zeige neue Sichtweisen auf. Manchmal muss man schon genau hinschauen, um den Unterschied zu den bekannten Alltagsgegenständen zu erkennen. Es interessiert mich grundsätzlich, ob man Dinge manchmal anders sehen kann, als sie eigentlich gemeint sind.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Ich möchte kreative Räume für Kulturelle Bildung schaffen, in denen man unvoreingenommen und frei seine eigenen künstlerischen Ideen im Team verwirklichen kann. Dabei durchläuft man den künstlerischen Prozess mit all seinen Höhen und Tiefen. Dazu gehört auch, dass dieser Prozess möglichst lange ergebnisoffen bleibt, damit sich das gesamte kreative Potenzial entwickeln kann. Das ist nicht immer einfach, aber ich sehe mich als Wegbegleiterin, die konkrete Fragen stellt, um die eigene künstlerische Entwicklung zu reflektieren und den kreativen Prozess voranzutreiben.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Ich sehe meine Aufgabe als Künstlerin in kulturellen Bildungsprojekten darin, Fragen zu stellen, um mit anderen ins Gespräch, in den künstlerischen Austausch und in Aktion zu kommen. Künstlerische Impulse sollen inspirieren, aber gerne auch mal irritierend auf mein Gegenüber wirken. Es geht nicht darum, für alles gleich eine Lösung oder Antwort zu finden, sondern in einem künstlerischen Prozess gemeinsam Ideen zu entwickeln, Resultate kritisch zu betrachten, Ansätze zu verwerfen und neu zu experimentieren. Es geht mir um den Blick über den Tellerrand hinaus, der oft herausfordernd, aber auch zugleich faszinierend sein kann.

KreativLabor

© Kristin Lohmann

Das „KreativLabor“ ist ein interdisziplinäres Kulturprojekt an der Charles-Hallgarten-Schule in Frankfurt am Main. Fünf Künstler:innen aus den Sparten Bildende Kunst, Musik, Literatur, Schauspiel und Tanz arbeiten über ein Schuljahr, an einem Schultag pro Woche, mit Förderschüler:innen der Klassen fünf und sechs interdisziplinär zu einem Thema zusammen. Das Jahresthema wird nach den Interessenschwerpunkten der Schüler:innen ausgewählt. Ziel ist es, jede:n in das Projekt einzubinden, um am Ende die entstandenen Ergebnisse einer Schulöffentlichkeit – Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern – zu präsentieren.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Dass man gut daran tut, den künstlerischen Prozess so lange wie möglich offenzuhalten, damit sich das kreative Potenzial der Schüler:innen völlig frei entfalten kann. Es geht um die Auseinandersetzung mit der Kunst und ihren unterschiedlichsten Materialien, Techniken, Formen, Interpretations- und Experimentiermöglichkeiten. Diese persönlichen Erfahrungen passen häufig in keinen Zeitrahmen und können manchmal nur schwer präsentiert werden. Insofern sollte der Fokus nicht ausschließlich auf dem künstlerischen Ergebnis liegen.