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Alexandar Hadjiev

© Julian Paul

Alexandar Hadjiev wurde 1987 in Sofia, Bulgarien geboren. Er studierte Fagott am Musikgymnasium L. Pipkov in Sofia und an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Von 2011 bis 2012 war er Stipendiat der Internationalen Ensemble Modern Akademie e. V. in Frankfurt am Main. Er ist Mitglied der MAM. Manufaktur für aktuelle Musik und Gast-Musiker bei dem Ensemble Modern. Als Komponist und Performer arbeitet Hadjiev aktiv im Bereich der interdisziplinären Performance. Im Jahr 2014 gründete er das Festivals „180° – Labor für innovative Kunst“ in Sofia, das sich auf den Prozess der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen internationalen Künstlern konzentriert. Hadjiev arbeitet aktiv im Bereich der Kulturellen Bildung, von der seine künstlerische Arbeit stark beeinflusst ist.

https://a-hadjiev.com/ 

www.180-degrees.org

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Ein immer wiederkehrendes Thema bei meiner künstlerischen Arbeit ist „Geduld“. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Technologie sehr stark entwickelt. Innerhalb von wenigen Sekunden erhalten wir Information, basierend auf Algorithmen, und müssen dadurch nicht mehr so viel denken. Beispielsweise gibt es mathematische Berechnungen, die besagen, wie Musik klingen oder was der Inhalt eines Films sein sollte. Wir aktivieren unser Gehirn zu wenig und werden ungeduldig, wenn wir selbst nachdenken und Antworten auf Fragen finden müssen. In meiner Arbeit probiere ich, den Zuschauer:innen/Zuhörer:innen viel Raum zu geben, um deren Imagination zu aktivieren und sie zu einer eigenen Beschreibung zu motivieren.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Die neue Generation hat viel zu bieten und wir sollten die Gelegenheit nutzen, sie kennenzulernen. Als Künstler liegt mein Fokus auf Kollaborationen und interdisziplinärem Austausch, und so kann ich den Prozess mit jungen Menschen auch beschreiben. Wir treffen uns, um zu experimentieren und Ideen auszutauschen, ohne etwas zu „lernen“. Als Künstler ist es meine Aufgabe zu erkennen, wo sich ein künstlerisches Potenzial versteckt, und dieses gemeinsam weiterzuentwickeln. Sehr oft überschneiden sich die Themen meiner künstlerischen Arbeiten und der Projekte mit Jugendlichen. Ich empfinde das als sehr wertvoll, weil sich uns so viel mehr Sichtweisen eröffnen können. Außerdem fördern solche Prozesse das Selbstbewusstsein und die Kreativität der Schüler:innen.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Die Geschichte hat bewiesen, dass Kunst eines der wichtigsten Elemente für die Entwicklung einer Gesellschaft ist. Obwohl sie heute ein Bereich ist, dem wir uns in unserer Freizeit widmen, umgibt uns die Kunst unbewusst; sie ist überall, in jedem Beruf und jedem Fachgebiet zu finden. Kunst entwickelt unser Denken und unterstützt unsere persönliche Entwicklung. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass eine Konfrontation mit Kunst unsere Gesellschaft näher zusammenbringen wird.

KreativLabor 

© Alexandar Hadjiev

Das „KreativLabor“ ist ein interdisziplinäres Kulturprojekt an der Charles-Hallgarten-Schule in Frankfurt am Main. Fünf Künstler:innen aus den Sparten Bildende Kunst, Musik, Literatur, Schauspiel und Tanz arbeiten über ein Schuljahr an einem Schultag pro Woche, mit Förderschüler:innen der Klassen fünf und sechs interdisziplinär an einem Jahresthema zusammen. Das Thema wird nach den Interessenschwerpunkten der Schüler:innen ausgewählt. Ziel ist es, jede und jeden in das Projekt einzubinden, und am Ende die Ergebnisse einer Schulöffentlichkeit (Schüler:innen, Lehrer:innen und Eltern) zu präsentieren.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Im KreativLabor lerne ich jede Woche etwas Neues. Die Schüler:innen zeigen mir neue Musik, Apps, Videos, aber am wichtigsten ist, dass sie mir ihre Meinung von der Welt mitteilen. Wir haben spannende Diskussionen, die mich sehr bewegen. Die Themen, die wir diskutieren, tauchen immer wieder in meiner künstlerischen Arbeit auf, die stark davon inspiriert ist.