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Rebekka Böhme

© Timo Cosmic

Rebekka E. Böhme arbeitet seit 2007 als freischaffende Tänzerin und Choreografin mit Künstler:innen verschiedener Sparten sowie mit Choreograf:innen und Kompanien in den Bereichen Tanz, Theater, audio-visuelle Performance u. a. (Volksbühne Berlin, performing group, Alexrandra Rauh u. a.). Sie kreiert eigene Tanzstücke, die nicht nur in klassischen Bühnenräumen zu sehen sind, sowie experimentelle Tanzfilme, die auch international gezeigt werden. Zudem unterrichtet Böhme zeitgenössischen Tanz, Bungee-Tanz sowie verschiedene Zirkusdisziplinen – und entwickelt regelmäßig künstlerische Arbeiten mit Kindern und Jugendlichen. Sie engagiert sich in mehreren kulturellen Bildungsprojekten, konzipiert „Kulturtage“, „Trash Dance Contests“ und koordiniert diverse Veranstaltungen.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

In meiner künstlerischen Arbeit geht es oft um Wahrnehmung und Erleben. Mich interessiert, welche Haltungen, Emotionen oder auch Missverständnisse subjektive Eindrücke und Erfahrungen auslösen können und wie innere Zustände uns bewegen, den Körper formen und verändern. Ich möchte wissen, was hinter dem Sichtbaren verborgen ist. Ziel meiner Arbeit ist es, Verständnis zu schaffen und Bewertung sowie Stigmatisierung aufzulösen, die eine Wahrnehmung von „seltsamen“ Verhaltensweisen und vermeintlicher Andersartigkeit mit sich bringen können.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Ich möchte Menschen einen kreativen Zugang zu unterschiedlichen Themen ermöglichen und sie dazu animieren, die Umwelt bewusst wahrzunehmen, Blickwinkel zu wechseln und etwas Neues zu entdecken. Im Fokus meiner Arbeit stehen das Erforschen der eigenen Gedanken und Kreativität sowie das Herausarbeiten individueller Besonderheiten und Facetten der Bewegung oder anderer Fähigkeiten. Es ist mir wichtig, einen Raum zu schaffen, in welchem Verständnis und Teilhabe über Grenzen hinweg sowie das voneinander Lernen möglich ist, um Selbstvertrauen und respektvolles Handeln zu fördern.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Für mich ist die künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung ein Versuch des Verrückens von Vorstellungen und die Einladung zum (Neu-)Entdecken oder (Neu-)Interpretieren der Umwelt mithilfe ästhetischer Mittel und gestalterischer Methoden, die vor allem zugänglich und verständlich gemacht werden. Das künstlerische Erlebnis, durch das eigene, kreative Experimentieren, fördert die persönliche Entwicklung, stärkt das Selbstbewusstsein und motiviert, Herausforderungen mit mehr Offenheit zu begegnen.

Zirkus und Sprache, 2016

© Matthias Steinbach

In Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und dem Zirkus Cabuwazi (Projekt Beyond Borders) entwickelte ich 2016 ein zirzensisches Sprachförderungsprojekt für Kinder aus geflüchteten Familien, welches Sprache spielerisch und bewegungsorientiert vermittelt. Das zehntägige Format soll Gemeinschaft, aber auch Individualität stärken sowie die Möglichkeit bieten, die deutsche Sprache unbefangen erlernen und anwenden zu können. Der Lebensraum der Kinder wird in einen bunten Entwicklungsraum verwandelt, in welchem sie verschiedene Zirkusdisziplinen ausprobieren können, Zirkusrequisiten basteln, sich künstlerisch mit Worten und ihrer Bedeutung auseinandersetzen und gemeinsam eine Zirkus-Show gestalten.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Die Arbeit mit Sprache und Abstraktion von Worten war oft Teil meiner Bewegungsrecherchen beziehungsweise Methode zum Experimentieren mit Bewegungsqualitäten und Rhythmen. Das Ausprobieren und Spielen mit Kindern bringt mich auf neue Ideen und erfrischt meinen Blick auf meine eigenen Praktiken. In den Projektwochen habe ich häufig mit pantomimischen und clownesken Übungen gearbeitet und festgestellt, wie diese zum Motor von Deeskalation wurden sowie Aufmerksamkeit und Verständnis untereinander schafften. Die erfahrbare, künstlerische Energie in einem Projekt entwickelt sich weiter und neue, kreative Impulse entstehen.