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Bea Berthold

© Martina Biedermann

Bea Berthold ist Diplom-Grafikerin. Seit dem Abschluss ihres Studiums an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle im Jahr 1997 arbeitet sie freiberuflich als Grafikdesignerin und Ausstellungsgestalterin. In den Jahren 1993 und 1994 hat sie sich während eines Studienaufenthalts in der Volksrepublik China intensiv der chinesischen Kalligrafie gewidmet. Dadurch hat sich ihre Liebe zur Schriftkunst noch vertieft. Sie gibt unter anderem Kurse für Kinder und Jugendliche wie „Die Bücherfresser“ oder „Die Büchermacher“ an der Kinder- und Jugendkunstschule Wartburgkreis e. V., die sie im Jahr 2009 mit initiiert und begründet hat.

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Als Grafikdesignerin bin ich eher Dienstleisterin als freie Künstlerin. Ich muss immer wieder ordnen, strukturieren, Wichtiges herausschälen, darstellen, in den Vordergrund bringen. Dann kommt die Frage der künstlerischen Umsetzung. Das ist eine interessante, immer wieder neu auszutarierende Balance zwischen freier Gestaltung und Anspruch des Auftraggebers. Wichtig für mich ist dabei, Grenzen auszuloten, neue Ansätze zu wagen, auszuprobieren.

Was möchten Sie mit Ihrer kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Ich möchte Kinder, Jugendliche und Erwachsene ermuntern, ja geradezu anstiften, neugierig zu sein. Das ist für mich die Grundlage, um Neues auszuprobieren, zu experimentieren, zu erforschen. Ich halte es für wesentlich, gerade junge Menschen darin zu bestärken, ihre ureigenen Wege zu suchen, zu finden und auch zu gehen. Auch wenn es für sie heißt, „gegen den Strom zu schwimmen“. Dazu gehören Mut und Vertrauen. Und auch das kann mit kultureller Bildungsarbeit geweckt und gestärkt werden.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Gerade um zu zeigen, wie man eigene Wege gehen kann, ist das viel leichter im direkten Kontakt, im Austausch, in der Anregung mit Künstler:innenn. Künstler:innen leben, arbeiten und denken oftmals unkonventionell, visionär, träumerisch, mal still oder mal laut. Sie wirken abseits des Mainstreams. Sie haben eine unpädagogische Herangehensweise. Bestenfalls sind sie authentisch, in ihrer Arbeit nicht eingeschränkt durch Systemzwänge. Das direkte Kennenlernen und gemeinsame Arbeiten, das Auseinandersetzen und die Reibung mit möglichst unterschiedlichen Künstler:innen macht für mich die künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus.

Kulturlandschaftskarte

© Bea Berthold

In Absprache mit der Stadt Bad Liebenstein gestaltete ich eine touristische Karte mit den kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt und des Umlands. Zusammen mit Schulen, der Jugendkunstschule und einem Planungsbüro haben 50 Kinder, die für sie wichtigen Sehenswürdigkeiten und Höhepunkte zusammengetragen, vor Ort gezeichnet, auf Linoleum übertragen, geschnitten und gedruckt. Entstanden ist eine einzigartige Kulturlandschaftskarte – ein Projekt mit Kinderpartizipation, angewandter Heimatkunde, Einführung in die künstlerische Hochdrucktechnik und professioneller Vermarktung im Tourismus.

Was haben Sie aus diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

Ich war erstaunt, wie freudig und motiviert die Kinder sich in die Aufgaben gestürzt haben: Sie haben viel umfangreicher als erwartet die verschiedenen Sehenswürdigkeiten zusammengetragen, geordnet und beherzt die Linolplatten geschnitten und gedruckt. Es hat mich bestärkt, gerade Kinder und Jugendliche viel mehr in Entscheidungen einzubeziehen oder sie ihnen direkt zu übertragen und mich selbst nur als Begleitperson zu sehen. Aber genau dieser Ansatz wird oft zum Balanceakt, weil ja das Ziel von geförderten Endprodukten meist schon feststeht. Also heißt es im Umkehrschluss, man sollte Projekte, die echte Partizipation ermöglichen, vorrangig anschieben und fördern.