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Anna Till

© Volker Metzler

Anna Till (*1983) lebt und arbeitet als freischaffende Choreografin und Tänzerin in Dresden. Sie studierte „Tanz, Kontext, Choreographie“ am Hochschulübergreifenden Zentrum für Tanz Berlin (HZT) und „Angewandte Kulturwissenschaften“ an der Leuphana Universität Lüneburg.
Unter dem Label „situation productions“ entwickelt sie Bühnenstücke in wechselnden Kooperationen mit Künstler:innen unterschiedlicher Genres. Ihre Projekte werden von zahlreichen Partnerinstitutionen unterstützt und im In- und Ausland präsentiert.
Till leitet Vermittlungsformate für Kinder und Jugendliche sowie Seminare und Workshops an mehreren Hochschulen. Zuletzt war sie Künstlerische Mitarbeiterin am HZT Berlin. Sie ist Teil des Koordinationsteams von TanzNetzDresden e. V. – der Plattform für Künstler:innen in den Performing Arts in Dresden – und Gründungsmitglied des Villa Wigman für TANZ e. V.

www.annatill.de

Welches Thema taucht in Ihrer künstlerischen Arbeit immer wieder auf?

Ich arbeite überwiegend in Kollaboration mit anderen Künstler:innen, um z. B. den interkulturellen Austausch (mit Katia Manjate, Choreografin in Maputo/Mosambik) oder das Verhältnis zwischen verschiedenen künstlerischen Disziplinen (mit Barbara Lubich, Filmemacherin und Soziologin) zu thematisieren. Diese Arbeitsweise bestimmt auch den Inhalt und die Ästhetik jeder Produktion, der eine längere Recherche-Phase vorausgeht, um in das jeweilige Thema einzusteigen. Themen sind u. a. „life in numbers“ (2019): Wie lassen sich zwei unterschiedliche Lebensrealitäten darstellen? „Experiencing time“ (2021): Wie gehen wir mit Zeit und wie geht Zeit mit uns um?

Was möchten Sie mit Ihrer Kulturellen Bildungsarbeit bewirken?

Mir ist es wichtig, durch die tänzerische und performative Arbeit ein selbstbestimmtes und offenes Verhältnis zum eigenen Körper und den Körpern anderer zu fördern. Ich möchte dafür sensibilisieren, wie vielfältig Bewegungskunst ist und wie stark die eigene Präsenz in den Raum und auf Mitmenschen bzw. ein Publikum wirken kann. Dafür braucht man keinen besonders trainierten Körper, der ausgefallene Bewegungen macht. Das Training besteht vielmehr in dem bewussten Entdecken der eigenen Fähigkeiten und im wachsamen Miteinander. Im Tanz begegnet man einander. Diese Begegnung(en) in Choreografie zu übersetzen, das Potenzial des eigenen Körpers als künstlerisches Mittel zu erkennen, das möchte ich bewirken.

Was macht für Sie eine künstlerische Intervention in der Kulturellen Bildung aus?

Als Künstlerin bringe ich meine jeweiligen Themen und meine eigene Arbeitsweise mit. Ich integriere die Teilnehmer:innen in meinen künstlerischen Prozess. Die Teilnehmer:innen selbst sind Expert:innen und Künstler:innen, mit denen ich in einen Dialog trete. Der (kritische) Austausch zu den jeweiligen Übungen, das Trainieren von genauem gegenseitigen Beobachten und Formulieren des Gesehenen spielt eine große Rolle.

Jede Workshop-Einheit verstehe ich im Sinne einer Tanzperformance, die ihre eigene Dramaturgie braucht, sinnvoll von einer Übung zur nächsten leitet und dabei immer ausreichend Raum für Spontaneität lässt, um auf Anregungen der Teilnehmer:innen einzugehen.

TOGETHER – ein Tanzprojekt für junge Träumer:innen, 2017

© Martin Mulik

Die Theatermacherin Romy Weyrauch und ich erarbeiteten gemeinsam mit 15 Kindern (8 bis 12 Jahre) eine Tanzperformance, die sich mit dem Thema „Gruppe und Individuum“ beschäftigte. TOGETHER hatte das Anliegen, jungen Menschen mittels Tanz einen selbstbewussten Umgang mit sich und ihrem Körper zu ermöglichen. Behandelt wurde das Miteinander in einer Gruppe im Unterschied zum „Alleine-Sein“. Was kann ich nur mit anderen zusammen machen und wobei bin ich lieber allein? Welche Prozesse sind schwierig mit vielen und wieso? Wie finde und bestimme ich meinen Platz in einer Gemeinschaft?

Was haben Sie in diesem Projekt für Ihre künstlerische Arbeit mitgenommen?

In dem Projekt TOGETHER haben wir u. a. mit einem übergroßen Stoff gearbeitet, der von allen Teilnehmer:innen zum einen in einem kurzen, selbst kreierten Solo und zum anderen in einer gemeinsamen Bewegungsabfolge bewegt wurde. Die Poesie in diesen einfachen Bewegungen, die immer wieder neuen Bilder und Assoziationen, die durch das Bewegen des Materials entstanden sind, haben mich fasziniert. Oft braucht man nicht viele Elemente, um etwas Neues im Raum entstehen zu lassen und Imaginationen zu wecken. Die Arbeit an minimalen Transformationen von Bewegung und Material findet sich in meiner eigenen künstlerischen Arbeit wieder.